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August  2010

1.08.10  Sonntag
Was reisst mich denn so abrupt aus dem Schlaf. Draussen knattern Schüsse, als wäre da ein Maschinengewehr am Werk. Mir wird zum Glück schnell klar, dass diese Geräusche von Frauenfürzen (Knallkörpern) stammen, welche von den Nachbarskindern gezündet werden. Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag. Es werden Raketen gegen den Himmel gestartet und Zuckerstöcke angezündet. In vielen Kantonen finden Brauchstumsmärkte statt. Reden werden zum Besten gegeben und die Musik spielt auf. Ich bin so glücklich in diesem Land leben zu können. Wie in vielen vergangenen Jahren, verabschiedet sich der 1. August mit Regen. Schön ist, dass einige Höhenfeuer dem Regen trotzen und einen hellen, warmen Schein ins Tal schicken.
















Unser schmuckes Häuschen

6.08.10  Freitag
Seit Montag kann ich am Morgen so lange Schlafen wie ich will. Ich werde weder von der Spitex geweckt, noch habe ich diese Woche Therapien. Diese Woche betreut mich mein Mann. Ich geniesse es, mit ihm zusammen das Morgenessen einzunehmen. Das sind für mich Ferien. Wir haben diese Woche auch schon einiges zusammen unternommen. So waren wir zum Beispiel wieder im Tessin. Wir mussten mal dem Regen entrinnen und Sonne tanken.
Nun lässt der Regen auch bei uns nach und es trocknet langsam ab. Darum hat mein Mann die Gelegenheit ergriffen, um mit der Harley eine Abendrundfahrt zu unternehmen. Und ich habe Zeit, ein paar Zeilen ins Tagebuch zu schreibe.

Wie bringt man mich schon am Morgen zum Lachen?















Was soll ich da wohl denken?

10.08.10  Dienstag
Ja ich weiss, ich vernachlässige meine Tagebuch-Einträge. Ich halte mich momentan viel im Freien auf und geniesse die Sonne. Ich liebe den Duft des Sommers.
Auf meinen Ausflügen durch die Schweiz entdecke ich die Vielfalt der Gegenden. So konnte ich am Sonntag abertausende Rebstöcke im Wallis bewundern.


















Rebberge im Wallis

Weiter unten gab es dann viele Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und natürlich Aprikosenbäume. In einer Gemeinde fand gerade das Aprikosenfest statt. Viele Trachtenleute säumten unseren Weg. Wer wurde wohl die Aprikosenkönigin? Hätte ich mit meinen runden, roten Backen etwa auch Chancen gehabt?
Am Montag besuchte ich den Goldauer-Tierpark. Die meisten Wege sind jetzt E-Rollstuhl tauglich. Vorbildlich sind die Behinderten-WCs, welche auf der Route anzutreffen sind. Es ist schön, den Tieren so nah sein zu können.


















Tierpark Goldau

Den Abend wollte ich dann friedlich zu Hause im Freien ausklingen lassen. Denkste! Auf einmal wurde ich von etwas an der Wade gestochen. Leider kann ich mich gegen so was nicht zur Wehr setzen. Ich muss zusehen wie ich gestochen werde und kann nur hoffen, dass es bald vorüber ist. Auf einmal surrt es unter meinen kurzen Hosen. Da hat sich wohl jemand verirrt und sticht voller Panik mehrmals zu. Aua! Das beisst jetzt aber gewaltig. Ich muss kratzen und kann nicht. Ich muss ins Haus. Piet muss etliche Stiche mit Essigsaure Tonerde bestreichen. Das beruhigt ein wenig. Die vielen Stiche sehe ich heute noch. Ich bin ja ein Tierfreund, aber wenn ich gekonnt hätte, wären diese jetzt Tot.

11.08.10  Mittwoch
Ich kann es kaum fassen, was diese Woche in den Urner Medien gebracht wurde. Mein wunderschön blühender Sommerflieder steht auf der schwarzen Liste. Ich wusste nicht mal, dass er keine Einheimische Pflanze ist. Man sieht ihn tatsächlich mittlerweile überall wachsen.  Das man ihn bekämpfen muss, damit die einheimischen Pflanzen nicht verdrängt werden, kann ich ja nachvollziehen. Aber muss es ausgerechnet diese Pflanze treffen. Wo werden meine wunderschönen Schmetterlinge hinfliegen? Gerade noch diese Woche konnte ich zum ersten Mal einen C - Falter am Flieder beobachten. Da glaubt man, etwas Gutes für die Flora und Fauna zu tun. Der Natur gerecht zu werden ist gar nicht so einfach.
Was soll ich jetzt tun? In ausreissen und vernichten?

16.08.10  Montag
So, nun sind unsere Ferien auch schon wieder vorbei. Ich hätte mir ein wenig mehr Sonne gewünscht. Trotzdem haben Piet und ich einiges zusammen unternommen. Unser letzter Ausflug führte uns nach Colmar (F). Dort besuchten wir das romantische Altstädtchen mit den farbigen Riegelhäusern. Natürlich haben wir dort auch einen traditionellen Gugelhupf gekauft. Der Teig ähnelt dem Zopf Teig. Das Mittagessen nahmen wir in einer Strassenbeiz ein. Wir suchen uns bei solchen Gelegenheiten immer ein landestypisches Menü aus. Da wir nur ein paar Brocken Französisch verstehen, sind wir froh um die Deutschen Menüangaben. Frisch gestärkt machen wir uns dann über die Weinstrasse auf den Heimweg.

17.08.10  Dienstag

Banner der Glückskette

Einige von uns fragen sich warum wir Spenden sollten. Wir haben vielleicht bedenken, ob das Geld wirklich die Ärmsten erreicht oder ob es irgendwo anders versiegt. Trotzdem sollten wir helfen. Denn sollte auch nur ein Teil am richtigen Ort ankommen, dann ist es vielleicht gerade mein/dein Beitrag der einem Betroffenen das Leben rettet und ihm Hoffnung für die Zukunft bringt.

Lassen wir sie also nicht im Stich.

18.08.10  Mittwoch
Eigentlich ist es reine Glückssache, in welches Land man hinein geboren wird. Wer würde nicht gerne in einem Land aufwachsen wo „Milch und Honig“ fliesst. In dem ich keine Angst vor Krieg und Verfolgung haben muss.  Wo ich mit 10 Jahren noch Ball spielen darf und mir keine Waffe in die Hand gedrückt wird. Da wo anders Gläubige mit einander Reden können ohne sich gleich die Köpfe einzuschlagen. Wo Nahrungsmittel an den Bäumen hängen und nicht durch die Sonne ausgetrocknet werden. Da wo alle Menschen die gleichen Rechte haben und niemand unterdrückt wird. Wo Frauen selbstbestimmt leben können. In einem Land indem ich als Mädchen den gleichen Stellenwert habe wie ein Junge und nicht ausgesetzt werde. Wo ich als „Behinderter“ in die Gesellschaft integriert bin und nicht versteckt werde.
Als Baby habe ich keine Möglichkeit mitzubestimmen.
Manchmal müssen wir einfach mehr Verständnis und Geduld für andere aufbringen. Wer weiss schon wodurch ein Mensch in seiner Kindheit geprägt wurde.
Irgendwann, so hoffe ich, wird unsere Erde für uns alle ein Paradies sein. Ich lebe bereits im Paradies.

19.08.10  Donnerstag


Sorry, ich habe mich verschlafen. Sobald ich richtig wach bin, komme ich euch besuchen.

21.08.10  Samstag
So, habe ich nun alle mit meinen Strahlen erreicht? Die Bauern sind ä mau (einmal) wieder wacker am Silieren. Es riecht wieder herrlich. Was mich aber ein wenig stört, sind die weissen Ballen, die immer mehr auf dem Land zu sehen sind. Sicher sind sie praktisch, aber müssen diese weiss sein. Wenn sie Grün wären, würden sie sich womöglich zu sehr aufheizen? Muss mal meinen Bruder fragen. Wisst ihr, den mit den Händen in den Hosensäcken.
Ich darf ihn schon föppälä (aufziehen), schliesslich hatte er Glück im Stall. Ich konnte nicht wiederstehen und bin mit dem Rollstuhl in den Stall gefahren um die Kälbchen zu bestaunen. Die schwarzen-weissen Zwillinge sehen so lieblich aus. Schade nur, dass es Munelis sind und ihre Lebensdauer dadurch verkürzt ist. Wenigstens können sie ihr kurzes Leben tiergerecht geniessen.
Wisst ihr, was ich an diesem Tag mit nach Hause genommen habe? Natürlich einen Spritzer vom Bauernhof-Parfum. Nicht die Nase rümpfen. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Und ich weiss ja nicht, ob uns die Kühe immer riechen mögen.

25.08.10  Mittwoch
Diese Woche hat ja gut angefangen. Normalerweise werde ich montags von der Spitex geduscht. Doch dieses Mal hat uns ein Mann aus dem Konzept gebracht. Florian kommt aus Hessen, Deutschland und macht das obligatorische Auslandpraktikum bei der Spitex Uri. Einen Monat lang begleitet er die SpitexmitarbeiterInnen auf ihren Touren. Diese Woche ist er auf meiner Runde. Zum Glück habe ich wenige Berührungsängste. Es ist nämlich schon gewöhnungsbedürftig, sich bei Anwesenheit eines Mannes waschen zu lassen. Aber irgendwie muss sich ein angehender Pfleger das Wissen ja aneignen können. Mit seiner humorvollen Art, sorgt Florian für eine entspannte Stimmung.  Er erzählt lustige Anekdoten die ihm in der Schweiz wiederfahren sind. Darum haben wir wahrscheinlich auch das Duschen vergessen und nur eine Katzenwäsche am Bettrand absolviert. Diese Woche wird sicher noch viel gelacht.
Die Sonne hat sich auch wieder angemeldet. Ich werde wieder einige Touren unter die Räder nehmen. Damit ich mich auf meinen Ausfahrten auch sicher fühle, hat mir Piet meine Slicks gegen Stollenpneus ausgetauscht.


Da ich mich immer wieder beklage, dass mein Rolli mit seinen 12 km/h zu langsam ist, hat mir mein Mann mit der Airbrushpistole Flames auf die Schutzbleche gespritzt. Nun fühle ich mich ein Müh schneller.


Sieht doch gut aus, oder?

26.08.10  Donnerstag
Das war wieder Mal ein richtig schöner Sommertag. Ja, eure Vermutung ist richtig. Ich habe wieder mal eine Ausfahrt gemacht.
Ich mache mich nach dem Mittag auf den Weg nach Flüelen. Dafür benötigt mein Rolli ungefähr 30 Minuten. In Flüelen löse ich ein Billet für die Schifffahrt. Heute scheint mir das Billet gar ein wenig teuer zu sein. Ich mag aber nicht nachfragen. Denn womöglich versteht er meine verwaschene Stimme nicht und für mich wären Wiederholungen zu anstrengend. Ich bin froh, dass ich ihm klarmachen kann wo sich mein Portemonnaie befindet und dass er das Geld selber herausnehmen muss. Nun muss ich ihm nur noch klarmachen, wie er mir das Billet in meine Hand legen muss, damit ich es auch festhalten kann. Hat eigentlich ganz gut geklappt.
Heute fahre ich mit dem Dampfschiff Luzern. Ich suche mir einen geeigneten Platz auf dem Heck damit ich niemandem im Weg stehe. Ich geniesse das wundervolle Panorama. Die Berge scheinen heute besonders nah zu sein. Der Konduktor ist im Anmarsch. Ich öffne meine Hand damit er mein Billet nehmen kann. Logisch ist es mittlerweile zerknittert. Der Konduktor schaut ein bisschen komisch an und will mir das Billet wieder retour geben. Ich sage ihm ich bräuchte es nicht mehr und er solle es doch wegwerfen. Er schaut mich an und sagt, dies sei ein Retourbillet. Aha, darum war das Billet heute teurer. Ich sage ihm, dass mich der Mann am Schalter wahrscheinlich missverstanden habe, denn ich würde nicht mit dem Schiff retour fahren. Der Konduktor bucht mein Billet um und kommt mit dem Zuviel bezahlten Geldes retour. Nun muss ich ihm erklären wo mein Portemonnaie ist und er das Geld selber in die Börse legen muss. So nun geniesse ich die weitere Fahrt ungestört. Nach ca. 45 Minuten legen wir in Brunnen an.
Ich verlasse das Schiff und mache mich über die Axenstrasse auf den Heimweg. Auf meiner linken Seite donnert der Verkehr an mir vorbei. Ich weiss inzwischen, dass ich den Kopf leicht nach unten neigen muss, wenn sich ein Lastwagen nähert. So verhindere ich, dass mir der Sog nicht meinen Tschäpper (Mütze) vom Kopf reisst. Es gibt  Motorengeräusch die ich schon von weitem höre. Ich erfreue mich an jeder Harley die meinen Weg kreuzt. Insgeheim habe ich gehofft, die Harley Fahrer würden mir nun salutieren. Schliesslich habe ich jetzt auch Flames an meinem Stuhl. Ob die Flames zu klein sind?
Bei mir macht sich Durst bemerkbar. Ich überlege mir, ob ich es wohl schaffe, einer Serviertochter klar zu machen, was alles von Nöten ist, damit ich etwas trinken kann. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Also steure ich die nächste Strassenbeiz mit dem verheissungsvollen Namen “Eden“ an. Nun sitz ich hier unter einem Sonnenschirm, vor mir auf dem Tisch ein umgekehrter Sektkübel mit einem ICE Teeglas obendrauf und einem Trinkhalm. Hmm, der rote, selbstgemachte ICE Tee schmeckt herrlich. Da soll noch jemand sagen, ich hätte kein schönes Leben. So, nun muss ich der Serviertochter nur noch verklickern, wo das Portemonnaie ist und, und, und ihr wisst schon.

Die Reise geht weiter, aber erst Morgen. Gute Nacht.

26.08.10  Fortsetzung
Weiter geht die Reise am Vierwaldstättersee entlang. Zum Teil kreuze ich den Weg der Schweiz oder kann die alte Axenstrasse befahren. Mir gefallen die alten Tunnels, welche zum Teil naturbelassen sind. Es gibt einige Aussichtsplattformen auf denen ich den See überblicken kann und die Schönheit und die Ruhe der Natur in mich aufnehmen kann.
Eine Plattform ist gesperrt. Das Fernsehen hat sich dort eingerichtet um das am Wochenende stattfindende Klippenspringen zu filmen. Es werden die 12 weltbesten Springer anwesend sein, die ihre Sprunge aus 26 Meter Höhe zum Besten geben. 
Mit der Sonne im Gesicht fahre ich Richtung Flüelen. Plötzlich fängt mein linkes Auge zu brennen an. Also schliesse ich das Auge und fahre mit einem weiter. Das Auge brennt immer mehr und es laufen mir Tränen über die Backe. Ich glaube ich muss nächstens mal einen Pollen Test machen lassen. Nun fängt auch noch die Nase an zu laufen. Jetzt muss ich auf die Seite fahren um dem Auge und der Nase Zeit für das abklingen zu geben. Nach 10 Minuten ist der Spuck vorbei und ich kann weiterfahren.
Da ich meinem Bruder und meiner Schwägerin mitgeteilt habe, dass ich heute noch vorbei komme, überlege ich welchen Weg ich einschlagen soll. Auf der Batterieanzeige sehe ich, dass ich mehr Strom verbraucht habe als üblich. Ich wähle somit einen Weg mit wenig Unebenheiten und wenig Steigung. Ich sehe einen Feldweg der eine Abkürzung sein könnte. Also nichts wie los und Querfeldein ein. Leider endet der Weg in einen Sackgasse. Einen Versuch war es ja wert. Also, das ganze wieder Retour und auf dem gewohnten Weg weiter.
Ich fahre nun auf einem Fussgänger/Fahrradweg neben einer vielbefahrener Strasse her. Plötzlich versperrt mir ein Auto vom Verkehrsdienst, welche weiter vorne den Verkehr regeln, den Weg. Obwohl einer der Männer etwas aus dem Kofferraum holt und mich dort stehen sieht, wird das Auto nicht um parkiert. Der Mann brummt etwas vor sich hin und entfernt sich vom Auto. Leider kann ich nicht auf die Strasse ausweichen weil es dort einen Absatz gibt und ich weiss nicht ob sich unter dem hohen Gras eine Grube befindet. Nach einer Weile wird es mir zu blöde. Ich wende meinen Rolli und also alles wieder retour.
Jetzt muss ich eben trotzdem den Weg mit der Steigung nehmen. Mitten in der Steigung wird mein Rolli langsamer und stellt dann ab. Nur keine Panik. Ich muss nur ein paar Minuten warten bis er sich selber wieder ein wenig aufgeladen hat. Das genügt bis zur nächsten Abfahrt. Beim Hinunterfahren werden die Batterien wieder aufgeladen.
So erreiche ich doch noch den Bauernhof wo ich schon sehnsüchtig erwartet werde. Hei, ein Urner Kaffee tut jetzt besonders gut. Nun muss ich aber nach Hause. Mit ein paar Tricks schaffen meine Batterien auch noch die letzte Steigung. Nach 5 ½ Stunden trudele ich wieder zu Hause ein.  

Das hört sich jetzt alles Spektakulär an. Ist es aber nicht. Das meiste kann ein Fussgänger ebenfalls erleben. Nur weil ich mehrere Handicaps habe, muss ich noch lange nicht hilflos sein. Ich geniesse es, alleine unterwegs zu sein. Ich weiss mir schon zu helfen. Sollte mal was gar nicht gehen, benutze ich mein mitgeführtes Notfalltelefon. Also, habt keine Angst um mich. Ich liebe mein Leben und meine Unabhängigkeit.

27.08.10  Freitag
Da es heute regnet und ich im Haus bleiben muss, erzähl ich euch doch ein wenig von dem Praktikant aus Deutschland. Der Florian war die ganze Woche auf meiner Spitex-Runde eingeteilt. An den meisten Tagen durfte er der Pflegekraft nur zur Hand gehen. Er durfte Waschwasser zubereiten, durfte mein Bett herrichten und diverse kleinere Dinge verrichten. Nun konnte er 4 Tage beobachten wie wir das machen. Heute kann er nun zeigen was er gelernt hat. Nach dem Duschen fordert ihn die Spitex-Mitarbeiterin auf, mich anzuziehen. War natürlich alles mit mir abgesprochen. Muss schon sagen, der Kerl hat es drauf. Mit einem Witz zieht er mir den BH an und macht mit den andern Kleidungsstücken weiter. Mit seiner unkomplizierten Art und seinem Schalk sorgt er für eine lockere Atmosphäre. Das Mobilisieren vom Duschstuhl in den Rollstuhl beherrscht er ebenfalls ganz gut. Er hat nicht mal beim Joghurt eingeben gekleckert. Wir hatten diese Woche viel Spass miteinander. Wir haben uns aber auch Mühe gegeben Hochdeutsch zu sprechen. So gut es waschechte Urner eben können. Er musste uns natürlich auch einige Ürnerwörter nachsprechen. Zum Beispiel, Chuchichäschdli, Heiwballä und Fliegholterä.  Er hat wacker gekontert. Wisst ihr zum Beispiel was ein Kneibchen ist? Nein, eine kleine Kneipe wäre zu einfach. Es ist ein Rüstmesser. Es gäbe noch einige lustige Episoden. So sind ihm zum Beispiel die vielen Zebrastreifen im Städtchen (Altdorf) aufgefallen, welche zum Teil an unmöglichen und unübersichtlichen Stellen sind. Bei uns ist eben alles ein wenig kleiner und näher beieinander. Dafür weiss jeder Junge was ein Sackmesser ist und in jeden Hosensack gehört. Mit dem kann man auch eine Raviolibüchse öffnen. Gell Florian.

Ich glaube Florian wird ein guter Pfleger und wir sollten ihn den Deutschen abwerben.

28.08.10  Samstag
Ui, ist das aber kalt geworden. Ist es etwa schon Herbst? Man könnte es fast meinen. Die Wolken berühren beinahe den Boden. Es regnet und stürmt. Der Wind reist verwelkte Blätter von den Bäumen und verteilt diese auf dem Rasen.


Mir fällt auf, dass ich fast keine Vogelstimmen höre. Wo sind sie nur hin? Kann natürlich sein, dass sie sich ein warmes Plätzchen gesucht haben. Das mache ich jetzt auch und gönn mir einen Fernsehnachmittag.