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01.03.10   Montag

Ich sitze seid 7.00 Uhr am PC.
Bin gerade fertig geworden mit dem Zeitung lesen.
Da wird es auf einmal  rechts von mir hell und warm.
Die Sonne ist aufgestanden.
Sie reckt und streckt ihre Strahlen bis ins Büro.
Mir kommt spontan folgendes Lied auf die Lippen.


lachende Sonne

03.03.10      Mittwoch
Ich hatte mir vorgenommen, heute Nachmittag nach draussen zu gehen. Darum hat mir die Spitex am Morgen wärmere Kleider angezogen. Ich muss jeweils bereits am Morgen entscheiden, ob ich im Haus bleibe oder nach draussen gehe. Besonders in der Übergangszeit ist es wichtig, die richtige Kleiderwahl zu treffen. Piet hat in der Mittagspause nicht noch Zeit, mich umzuziehen. In solch einem Fall wünschte ich mir manchmal, ich könnte eine Person anstellen, die mir hilft meine Bedürfnisse umzusetzen. Aber dafür ist der Gesetzgeber noch nicht ganz bereit. Bitte erkundigt euch hier, wie das funktionieren würde.
Leider hat sich die Sonne am Mittag verzogen und somit ist es für mich draussen zu kalt. Also habe ich Zeit, meine HP ein klein wenig aufzumotzen.

06.03.10   Samstag
Ich sitze im Büro am Fenster. Die Schneeflocken fallen wie Wattebausche vom Himmel. Ich sehe, wie sich einige vorwitzig auf die Fensterbrüstung setzen. Habt ihr schon mal eine Schneeflocke genau betrachtet. Für mich sehen sie wie Bergkristallspitzen aus, die sich zu einer Formation zusammen gefunden haben. So rein und unschuldig. Ein Bergkristall braucht viele, viele tausend Jahre zum entstehen und strahlt dafür für immer. Eine Schneeflocke kann von einer Minute zur Anderen entstehen. Ebenso schnell kann sie wieder vergehen. Kurz vor ihrem verschwinden wird sie so klar wie ein Bergkristall. Wunderschön. Nun kommt ein Blizzard auf. Eine Möwe versucht gegen den Wind zu fliegen und eine Ente nutzt den Wind für ihre Richtung. Anscheinend macht es ihr Spass. Sie schnattert aus voller Kehle. Nun kommen die Segler. 20 - 30 Bergdohlen lassen sich vom Wind durch die Luft tragen. Bergdohlen trifft man glaube ich nie einzeln an. Sind das eventuell Herdentiere? Sie können schön laut werden, wenn sie einander das Fressen abjagen. Eigentlich hätte ich gerne wieder Futter hinaus getan. Doch mein Mann meinte kürzlich, die Amseln seien so dick, ihn würde es nicht verwundern, wenn diese vom Himmel fallen würden.
Ich habe mich so auf den Frühling gefreut. Aber wenn alles weiss ist, sieht es halt schon auch schön aus. Schade ist es halt, dass es gar so kalt sein muss. Die Natur braucht aber diese Kälte um das Ungeziefer auf natürliche Weise zu reduzieren.
Mein Mann war früher ein begeisterter Skifahrer. Seid er aber Abwart ist und er für die Schneeräumung verantwortlich ist, ist ihm die Lust auf Schnee abhanden gekommen. Heute ist er wieder den ganzen Tag im Einsatz.
Peter kam gerade vorbei um mir etwas zu Essen zu geben. Er darf nur kurz bei mir sein. Sein Magen-Darmgrippe ist zwar am abklingen aber Vorsicht ist trotzdem geboten. Ich kann mir ausmalen, wie es sein würde, wenn ich diese Grippe bekommen sollte. Da ich nicht mehr zu den Schnellläufern gehöre, würde ich mich glaube, während dieser Zeit auf der Toilette einrichten.
Nun habe ich gerade die Herrenabfahrt geschaut. Unser Cuche war wieder super in Form. Liegt sicher an seinem Ovomaltinen-Helm. Jetzt hat gerade die Sonne hereingeschaut und es hat aufgehört zu schneien. Nun trauen sich auch die Meisen und die Spatzen wieder herum zu fliegen.
Jeah, Piet kommt nach Hause. Es gibt s’Zabig. (Zwischenmahlzeit am Nachmittag). Als nächstes gehe ich das Fernsehprogramm strapazieren.

Gedanke zum Tag

Träume sind in der heutigen Zeit so vergänglich wie eine Schneeflocke.
Kaum erblickt, eingefangen, schon verschwunden.

Und das Leben? Nun ja. Ist wie es ist. Meist schmerzhaft. Manchmal schön.
So schön wie eine Schneeflocke. Doch genauso vergänglich.

Schneeflocke

Text by NovemberRain85         Foto by kunstsam

07.03.10      Sonntag
Heute kann ich lange ausschlafen. Piet ist wieder am Schnee schaufeln. Da ich  am Wochenende keine Spitex habe, warte ich im Bett bis er nach Hause kommt. Am Abend werde ich von 3 Freundinnen abgeholt. Wir gehen dick Essen. Die Fischknusperli sind ein Genuss. He, und das Dessert erst. Apfelküchlein mit Zimtglace und frischem Rahm. Meine Schulkameradin, die das Restaurant führt, kann eben kochen. Dieses Mal werde ich von Myrtha gefüttert. Für das, dass sie keine Kinder hat, macht sie dies sehr gut. Wir gehen beizeiten wieder nach Hause. Ich muss nämlich am Montagnachmittag zum Routineuntersuch nach St.Gallen. Also, ab ins Bett.

08.03.10      Montag
Während ich von der Spitex für den Tag gestylt werde, ist Piet bereits mit der Harley unterwegs. In Altdorf finden diese Woche Gospelkonzerte im Tellspielhaus statt. Für diesen Event wurde Piet angefragt, ob er seine Harley zur Verfügung stellen würde. Wohlverstanden, es liegt Schnee auf der Strasse. Aber was macht man nicht alles bei minus Graden für gute Freunde. Weil eine Harley nicht für das befahren von Treppen konzipiert ist, wird sie kurzerhand zum Fliegen gebracht. Da hat es Gessler mit seinen PS unter dem Gesäss einfacher.

Harley an Gurten in der Luft
















Harley  by Piet

Am Mittag brechen wir nach St.Gallen zu meinem Routineuntersuch auf. Für diese Strecke benötigen wir 2 Stunden. Bei der Untersuchung wird die Verschlechterung meiner Sprache festgehalten. Da meine Spastik (Steifigkeit) zugenommen hat, versuchen wir es mit einer Dosiserhöhung eines meiner Medikamente. Es ist wichtig die Dosis genau auf mich abzustimmen. Wenn ich zu viel nehme werden meine Beine zu Elastisch und ich kann nicht mehr stehen. Nehme ich zu wenig, werde ich zu einem Brett, welches keinen Fuss mehr hochheben kann. Während der Dosisanpassung kann es vorkommen, dass ich am Tage vermehrt Müde bin und somit nicht immer Besuche empfangen kann. Aber nur bis ich die richtige Dosis gefunden habe. Ansonsten sind sie in St.Gallen sehr zufrieden mit mir. Ich auch.
Bei dem Nachhauseweg dürfen Piet und ich einen wunderschönen Sonnenuntergang miterleben. So was sehen wir wegen unseren schönen Bergen halt nicht. Ich finde es aber gut so, schliesslich sollen Alle vom Schönen etwas abhaben.

09.03.10      Dienstag
Ich habe seid längerem nach einer neuen Physioterapeutin gesucht. Es ist gar nicht so einfach Jemand passenden zu finden. Idealerweise ist die Krankheit ALS für sie ein Begriff. Im Weiteren sollte sie Hausbesuche machen. Sie sollte ein gutes Einfühlungsvermögen besitzen. Flexibel sein, um sich bei fortschreiten der Krankheit anpassen zu können. Ich glaube, ich könnte diese Therapeutin gefunden haben. Heute Morgen hat sie zuerst eine Bestandesaufnahme von mir gemacht. Dann wurde durchbewegt, Atemübungen gemacht und die von St.Gallen angeregte Lymphdrainage an Armen und Händen durchgeführt. Es hat mir so gut getan, zu spüren, dass da noch einige Muskeln vorhanden sind. Ich freue mich schon aufs nächste Mal.
Ich habe vorgehabt, am Nachmittag am PC zu arbeiten. Daraus wurde aber nichts. Ich war so müde, ich habe den ganzen Nachmittag verschlafen. Verschiebe ich es halt auf Morgen.

12.03.10      Freitag
So, nun bin ich Ausgeschlafen und kann wieder an meiner HP herumbasteln. Ich bin immer noch am ausprobieren. Es klappt noch nicht Alles so, wie ich es mir vorstelle. Bevor ich aber weiter schreibe, muss ich zuerst das Internet Radio einschalten. Moment…..So, jetzt schreibt sich’s doch leichter.
Im Momentan läuft „Tush“ von ZZ-Top.
Also, schon seid längerem versuche ich einen Film, von meinem Ausflug über den Hochweg, ins Netz zu stellen. Irgendetwas mache ich falsch, nur was? Mein Homepage-Tool könnte einiges. Nur, ich weiss bei einigen Anwendungen nicht für was sie bestimmt sind und wie sie angewendet werden. Nun habe ich angefangen über Internetbegriffe nachzulesen. Uijui das ist happig. Pearl, Joomla, FTP, PHP5 und, und, und. Ich hatte eigentlich nicht vor selber zu programmieren. Überlege mir, ob ich nicht noch einen Kurs besuchen soll. Wäre wieder mal Zeit, etwas zu lernen. Sonst rostet mein Hirn noch ein. Mal schauen.
Was habe ich diese Woche noch gemacht, ausser dass ein Mitarbeiter einer Rollstuhlfirma wegen mir einen Rüffel bekommen hat. Ich werde mich bei ihm noch Persönlich endschuldigen. Wie kam es dazu?
Übrigens nun höre ich gerade „Cross-Eyed Mary“ von Jethro Tell.

Ich musste neue Batterien für meinen Rollstuhl haben. Die Privatkunden dürfen nicht selber bei der Herstellerfirma in Deutschland bestellen. Wir bestellen die Batterien also bei der Import Firma in der Schweiz. Diese verweisst uns wiederum an einen Fachhändler. Die Rechnung erstellt aber die Import Firma. Als dann die Batterien endlich nach einer Woche bei mir eintreffen und wir feststellen, dass es nicht die gleichen sind, platzt mir der Kragen. Ich schreibe ein Mail an den Hersteller und bringe meinen Unmut zum Ausdruck. Postwendend ging mein Mail vom Hersteller zum Importeur, dann zum Fachhändler und zu guter Letzt bekam wieder mal der Büezer alles ab. Das wollte ich so nicht. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es eine neue Ausführung ist.
Ich weiss, manchmal bin ich einfach zu ungeduldig und werde angriffig. Eben ein richtiger Skorpion. Man sollte sie einfach nicht reizen. Aber sonst ist es doch ein ganz schönes Tier oder?
Natürlich habe ich Heute die super Fahrt von unserem Iceman Janka mitverfolgt. He, der ist momentan wirklich der Beste. Hoffe, unser Simi macht es ihm Heute nach. Flieg Simi, flieg.

22.20 Uhr: Neue Rubrik "Filme" eingefügt

13.03.10   Samstag
Ihr glaubt nicht, wie schwierig es ist, einen Film in eine homepagekompatible Datei umzuwandeln. Dank mithilfe von Peter habe ich es geschafft, wenigstens ein kleines Filmchen hochzuladen. Will aber noch weiter tüfteln. Irgendwann wird’s schon klappen.
Am Samstagnachmittag fahren Piet und ich nach Zürich zum ALS-Selbsthilfegruppentreffen. Es tut so gut sich mit andern Betroffenen auszu-tauschen. Jeder weiss mehr oder weniger von was der Andere spricht. Auch die Angehörigen kommen nicht zu kurz. Sie können sich über die Hilfsmittelbeschaffung, um Behördengänge usw. austauschen.  Sie können von den Erfahrungen der Anderen profitieren. Bei dieser Krankheit ist eben nicht nur der „Patient“ betroffen sondern auch der Partner, die Familie und das nähere Umfeld. Wir dürfen bei den Treffen auch miteinander Weinen und natürlich ebenso Lachen. Jeder kann einmal auf seine eigenen Grenzen stossen. Es tut gut zu wissen, dass das auch Andern passieren kann. Niemand kann ins Innere einer anderen Person blicken. Als Selbstbetroffener kann man wahrscheinlich eher ahnen, was im Andern vorgeht. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder alle sehen kann und niemand uns verlassen hat.
Dieses Mal stiessen wieder Zwei Betroffene zu unserer Gruppe. Soll man das nun Gut finden? Jeder Verein wäre erfreut über Neuzugänge. Bei uns hat dies leider einen bitteren Beigeschmack. Die Krankheit hat sich weitere Personen gekrallt. Aber weißt du liebe ALS, irgendwann wirst du keine Macht mehr über uns haben. Wir sind nämlich das Gute und du das Schlechte. Du müsstest doch wissen, dass das Gute über kurz oder lang siegen wird. Also, verpiss dich.
Ich habe mich sehr gefreut, dass dieses Mal auch eine liebe Bekannte, ebenfalls ALS-Betroffen, an dem Treffen teilnimmt. Sie hat ihren Hilfshund Brasil dabei. Er unterstützt sie im Alltag. Es ist ein blonder Golden Retriever welcher von Le Cobain ausgebildet wurde. Ausser Kaffee und Leitungswasser zu trinken gibt es Heute nichts. Etwas zu knabbern gibt’s leider nicht. Da kommt meine liebe Freundin auf die Idee, Piet könnte doch nächstes Mal, selbst gemachte Güetzli mitbringen. Sie hat das Güetzlifoto auf meiner HP gesehen. Was hab ich Piet nur wieder eingebrockt. Hanfgüetzli gibt es aber sicher keine. Gell du!!

14.03.10     Sonntag
Manchmal verfalle ich in Tagträume. Dann lebe ich auf einem Heimetli. Viele Tierrassen finden bei mir ein Zuhause. Es ist so schön, sich den ganzen Tag mit ihnen zu beschäftigen. Die Geissen gumbet umänand (hüpfen herum). Die Schafe fressen die saftigen Gräser und ein Lämmlein liegt im hohen Gras. Die Gänse machen einen Radau ums Haus und die Laufenten suchen im Garten nach fetten Schnecken. Ein schmatzen dringt an mein Ohr, es sind die Ferkel die an Mutters Zitzen saugen. Ein Esel wälzt sich auf dem Boden und die Hühner scharren Löcher in die Erde. Eine Häsin baut mit ihren Haaren ein Nestchen für den Nachwuchs. Ein Mäuschen schaut verschmitzt aus einem Futtersack. Ob es wohl weiss, dass ich vor ihm Respekt habe? Unter dem Dach kleistern Schwalben ihre Nester an die Wand und im Gras stochert eine Amsel nach Würmern für ihre Jungen. Ein feiner Duft weht um meine Nase. Die Schmetterlinge werden ebenfalls von ihm angelockt. Der Flieder wird vom Admiral, Tagpfauenauge und vom Weissling umgarnt. Ist das nicht wunderschön. Leider hören solche Träume irgendwann auf und man findet sich in der Realität wieder.  Aber das Gute an den Tagträumen ist, ich kann das Thema und den Ausgang selber bestimmen. Bei den Schlafträumen kann ich nur begrenzt Einfluss nehmen. Versuch es einmal selber. Du kannst dir damit unmögliches, möglich machen. Ich liebe meine Tagträume.
Am Sonntagnachmittag kommt mein Bruder, der Bauer in unserer Familie, mit seiner Frau zu Besuch. Er kann dieses Jahr ein bisschen mehr Land pachten. Dort ist es allerdings fast zu stotzig zum Heuen. Auf dem Land steht noch ein kleiner, verlassener Schopf. Meint ihr nicht auch das wäre doch ideal um ein Teil meiner Tagträume in die Tat umzusetzen. Ein-Zwei Ziegen würde ich sponsern. Franz, hier ein Bild zur Inspiration.


16.03.10      Dienstag
In meine Stube ist der Frühling eingezogen. Krokusse, Primeln, Traubenhyazinthen und Stiefmütterchen blühen um die Wette. Ein Schneckenhäuschen wartet auf dem Efeu auf einen neuen Bewohner. Es würde mich nicht wundern, wenn plötzlich Schmetterlinge in meiner Stube herumfliegen würden. Gaby, eine meiner Schwägerinnen, hat dies für mich möglich gemacht. Ihr Besuch tut mir gut. Sie erzählt mir Geschichten von ihrer Familie. Ich kann lachen und amüsiere mich köstlich. He, Brüderchen, hast es ganz schön schwer in deinem Dreimädel-Haushalt. Nur, wer wäre nicht auch gerne der Hahn im Korb.
Am Abend schaue ich noch die Paralympic im Fernsehen. Es ist bewundernswert, was diese Athleten leisten. Besonders die Kategorie der Sehbehinderten ist eine Augenweide. Wie sie durch die Slalomstangen kurven, ist unglaublich. Ihr müsst euch das mal anschauen. Da staunst du nur noch.

17.03.10      Mittwoch
Leute, die Sonne scheint und die Vöglein pfeifen. Ich gehe Ausfahren! Mit meiner Schwester Bernadette fahre ich auf Erkundungstour. Wir kommen nicht weit, da stossen wir schon auf das erste Hindernis. Wisst ihr noch, ich hatte vor etwa 2 Monaten Kontakt mit dem Tiefbauamt Uri. Ich informierte sie über Hindernisse auf der Strasse, welche für Rollstuhlfahrer gefährlich sind. Mir wurde damals versprochen, sich darum zu kümmern. Als ich Heute genau an eine dieser erwähnten Stelle vorbei komme, ist alles beim Alten. Ich komme an diese Kreuzung, überquere die stark befahrene Strasse auf dem Fussgängerstreiffen und nun stehe ich vor einem Trottoir das nicht abgesenkt ist. Also, drehen und auf der Strasse weiterfahren. Ich fühle mich verarscht.















Aber, aber!

Zum Glück bin ich in frühlingstimmung. Diesen Tag will ich geniessen. Wir gehen lädelä. Kaufen Stoff für eine Beindecke für mich. Dann besorgen wir noch ein Geschenk für unseren Vater. Er wird am Freitag 84 Jahre alt. Natürlich müssen wir Zwischendurch auch den Durst löschen. Für Gelati ist es doch noch ein wenig zu kalt. Freue mich schon auf die nächste Tour. Dir Temperaturen sollen ja steigen. Endlich!

19.03.10      Freitag
Wir haben ein verlängertes Wochenende. Denn Heute ist Seppitag (Josefstag). In der Innerschweiz ist das ein Feiertag. Darum schlafen wir Heute auch länger. Plötzlich werden meine Backen immer wärmer. Ich will die Augen aufmachen, doch ich werde geblendet. Die Sonne schaut zum Fenster rein. Ich glaube, sie will mir sagen, stehe auf und schau mich an. Also stehe ich auf und fahre Frühstücken. Danach geniesse ich auf dem Balkon die Sonnenstrahlen. Die Vögel sind ganz aus dem Häuschen. Manchmal sind 40 / 50 Tiere in der Luft. Und jeder will lauter krähen und pfeifen als der Andere.

















@piettresch

So, nun setz ich mich in meinen Aussenrolli und Piet steigt auf seine Harley. Wir sind on Tour. Er nimmt seine Heimstrecke (umä Rigi) und ich meine (a See abbä). Endlich sehe ich meine Wasservögel wieder. Ich kann sogar ein Teichhuhn näher betrachten. Mit seinem zweifarbigen Schnabel und den auf und ab bewegenden Schwanzfedern, ist es eine Augenweide ihm zuzuschauen. Es watet mit seinen hellgelben Beinen und den langen Zehen, im Schilf umher. Seine Anthrazit, Schwarz, Weissen Federn glänzen in der Sonne. Nun muss ich aber weiter, denn ein Nasentröpflein macht sich bemerkbar. Direkt am See ist die Luft doch noch ein wenig Kühl. Ich kann nicht riskieren das mir die Nase läuft. Ich könnte sie nämlich nicht selber putzen. Also mach ich mich auf den Heimweg. Aber nicht ohne Zwischenhalt bei meinen Eltern. Schliesslich hat mein Vater Heute Geburtstag. Gestärkt mit einem Urnerkaffe nehme ich den Rest der Strecke unter die Räder.

22.03.10      Montag
Dieser Tage habe ich auf einer Ausfahrt eine Mutter mit ihren Kindern getroffen. Eines der Kinder sitzt im Rollstuhl. Bei unserem Gespräch kamen wir unter anderem auf die Hilfsmittel für Behinderte zu sprechen. Sie erzählt mir, dass es immer schwieriger werde, bestimmte Hilfsmittel zugesprochen zu bekommen. Das macht mich nachdenklich. Die Angehörigen von Menschen mit einer Behinderung investieren so viel Zeit und Kraft in dessen Betreuung. Wenn nun aber um jedes Hilfsmittel gekämpft werden muss, die den Alltag erleichtern könnten, wer ist dann noch bereit, eine solche Last auf sich zu nehmen? Warum müssen in einer Krise immer zuerst die Schwächsten darunter leiden. Was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft los? Auch die Alten Leute müssen darunter leiden. Solange jemand im Berufsleben steht, sieht es mit den Hilfsmitteln einigermassen gut aus. Wehe aber, du bist Pensionist und bist auf Hilfsmittel angewiesen. Ein Elektro-Rollstuhl zb kannst du dir gleich abschminken. Den „Luxus“ musst du dir dann selber finanzieren. Schau mal bei der Hilfsmittelliste der AHV nach. Darüber sind die wenigsten informiert. Wenn unsere Sozialwerke nur das Geld haben könnten, welches unsere Banken verzockt haben, würde doch das eine oder andere Hilfsmittel eher drin Liegen.
Aber, wen interessiert das schon.

23.03.10      Dienstag
Ich bin geputzt und gestriegelt (gekämmt). Das Joghurt ist gegessen und der Kaffee ist getrunken. Die Physio kann kommen. Bei den Übungen spüre ich meine übrig gebliebenen Muskeln. So wenige sind das im Fall gar nicht. Meine Rumpfmuskeln machen schön mit. Die Oberschenkelmuskeln leisten auch ihren Teil. Nun melden sich die Bauchmuskeln. Die Oberarm- und Schultermuskeln stossen ebenfalls zur Gruppe. Nur, wer versteckt sich denn am unteren Ende des Bettes? Aha, es sind wieder mal die beiden Spitzfüsse. Nach einigen Dehnübungen sehen sie die Welt auch wieder aus einer andern Perspektive. Das ganze wird mit einer Lymphdrainage abgeschlossen. Noch ein wenig ausruhen, dann kann der Tag beginnen.
Am Nachmittag mache ich eine Ausfahrt. Unterwegs zieht mich ein Blumengeschäft magisch an. Diese Vielzahl an Farben und Sorten. Ich kann nicht widerstehen. Eine Verkäuferin ist mir behilflich. Eigentlich wollte ich Piet nach der Arbeit aufbieten um die Blumen abzuholen. Da anerbietet mir eine Bekannte, die ebenfalls am Blumen kaufen ist, mir das ganze nach Hause zu liefern. Bei so viel Hilfsbereitschaft kann es mir doch nur gut gehen. Da mache ich doch glatt noch eine Zusatzrunde mit dem Rolli.

24.03.10    Mittwoch
Heute sitze ich lange am See. Die Wellen plätschern leise ans Ufer. Der Föhn spielt mit meinen Haaren. Zwischendurch steigt mir der Duft von totem Fisch in die Nase. Das erinnert mich an Ferien in Italien. Der Wasserstand in Ufernähe ist leicht zurück-gegangen. Zwischen angeschwemmtem Holz und Morast, schlängelt sich ein Rinnsal von Wasser, Richtung See. Das Wasser des Rinnsals ist glasklar. Es lässt sich von dem Schlamm nicht stoppen. Vielleicht hat das kleine, schwache Rinnsal die Aufgabe gefasst, mitzuhelfen den Morast und den Schlamm wieder  zu reinigen. Sicher ist es nicht einfach, immer wieder mithelfen zu müssen, unnötige Verschmutzungen zu reinigen. Es muss immer aufpassen, nicht selber verschmutzt zu werden. Es würde sein kurzes Leben sicher lieber in Ruhe dahin plätschern lassen. Über Steine hüpfen, einem Blümchen einen Tropfen zuwerfen oder mit den Fischen um die Wette schwimmen. Das wäre doch schön. Aber das kleine Rinnsal wird weiter mithelfen müssen, bis es endgültig keine Kraft mehr hat. Ich habe mal irgendwo gelesen, das Wasser ein Gedächtnis hat. Es könne etwas weitergeben. Vielleicht verwandelt sich der Schlamm auch mal in viele kleine, klare Rinnsale.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bach der über Steine fliesst








foto by
team-elmshorn.com

25.03.10      Donnerstag
Hei, bin ich Heute müde. Habe kaum geschlafen letzte Nacht. Warum, das weiss der Gugger (Kuckuck). Weißt du, es ist zum Haare ausreissen. Zum Glück reichen meine Hände nicht mehr so weit nach oben. Hätte sonst mittlerweile sicher eine Glatze. Ich muss Stundenlang wach im Bett liegen. Kann mich ja nicht hin und her wälzen. Piet will ich nicht wecken. Er braucht seinen Schlaf.
Bin ich froh, dass endlich der Wecker klingelt. Nun kann ich wenigstens den Fernseher einschalten. Vielleicht hilft mir ja dies einzuschlafen. Denkste, das Sandmännchen kommt nicht vorbei. Verschiebe ich es halt auf den Nachmittag.
Nach dem Mittagessen kuschele ich mich in den Fernsehsessel. Augen zu….und ich warte und warte, aber der Schlaf will nicht kommen. Mittlerweile verspüre ich leichte Schmerzen in meinen Beinen und Pobacken. Könnte es ein Muskelkater sein? Ich glaube eher, ich merke den Wetterumschlag. Ich sage euch nur eins, packt euch warm ein. Ich jedenfalls, mach es mir im Bett bequem. Schlaf, ich wäre bereit.

26.03.10      Freitag
Ich habe bis 10.00 Uhr durchgeschlafen. Mensch, habe ich das gebraucht. Die Muskelschmerzen sind wie weggeblasen. Dank dem Föhn ist es immer noch recht warm. Ich sehe aber die Wolken vom Norden her aufziehen. Es dauert nicht lange, da klöpfeln Tröpfchen an mein Fenster. Es wird immer dunkler Draussen. Ich sehe nichts mehr vom blauen Himmel. Die Berge werden immer mehr von Wolken eingedeckt. Es trommelt immer heftiger an mein Fenster. Schwere, dunkle Wolken entladen sich. Es ist interessant den dicken, platzenden Tropfen zuzusehen. Lange bleibt es Draussen düster. Ein Auto fährt vorbei. Ich traue meinen Augen nicht. Auf dem Autodach sind mindestens 10 cm Schnee. Woher der wohl kommt. Endlich hebt sich die Wolkendecke und ich weiss jetzt woher. Die Sonne blinzelt ganz scheu durch die Wolken. Also, du bist mir schon Eine. Zuerst zängelst du mich mit dem Frühling und was bringst du mir jetzt. Die Sonne strahlt nun die Berge an, als wollte sie mir sagen, schaue doch mal. Bis weit in die Täler ist Schnee gefallen. Auf den Bergen hat er ganz unschuldig, Platz genommen. Ja, ich muss ja zugeben, es sieht schön aus. Na gut, ein wenig kannst du hier Ausruhen. Aber danach musst du weiterziehen. Weißt du, manche Vögel sitzen schon auf ihren Nestern. Sie brauchen die Wärme. Also Sonne, schick bald wieder eine warme Therme, denn auch die Zugvögel wollen bei uns einziehen.  

 schneebedeckter Berg






Auch der Bristen trägt wieder Weiss








@piettresch

27.03.10      Samstag
Was ist denn da Draussen los. Andauerndes Rotorengeräusch dringt in mein Schlafzimmer. Ich bin eigentlich an Helikopter gewöhnt. Zwei Basen befinden sich in der Nähe. Täglich werden wir von der Rega oder der Heli Gotthard überflogen. Aber dieses Mal entfernt sich das Geräusch kaum von der Stelle. Mein erster Gedanke, es wird wohl ein Unfall auf der A2 gegeben haben. Piet geht nachschauen. Ein Helikopter fliegt Holz aus dem nahen Wald, also nichts Schlimmes. Nun ist nicht mehr an Schlaf zu denken, also aus den Federn.
Später höre ich wieder einen Helikopter. Der fliegt jetzt aber an der Autobahn endlang. Nun sehe ich die Autos auf der Autobahn stehen. Ein Feuerwehrauto ist ebenfalls mit Blaulicht unterwegs. Später erfahren wir, dass es zwei unterschiedliche Unfälle auf der A2 gegeben hat. Auf Uris Strassen geht nicht mehr viel. Wundern tut mich das eigentlich nicht. Seid die Neat gebaut wird, haben wir so ein Strassenchaos. Uris Strassen sind nicht mehr sicher. Es gibt so viele Baustellen, man verliert bald den Überblick.
Mich bedauern die Autofahrer, die stundenlang in der prallen Sonne ausharren müssen. Hoffentlich ist den Verantwortlichen in den Sinn gekommen, diese mit Wasser zu versorgen. Wenigstens können sich die Mobillisten, dank dem schönen Wetter die Beine vertreten.

He, denkt daran, diese Nacht wird noch kürzer, die Zeit wird umgestellt.

Habe gerade die Info erhalten, dass Wasser verteilt wurde. Habt ihr gut gemacht.
Ich wünsche allen Beteiligten und Verletzten alles Gute. Behaltet meinen Kanton trotzdem in guter Erinnerung.

28.03.10        Sonntag
Ich habe Gestern eine Karte aus Amerika erhalten. Der Grand Canyon leuchtet darauf rötlich-braun in der Abendsonne. Es gibt so viel schönes auf unserem Planeten. Ich finde es schade, dass das Leben so kurz ist. Wir haben viel zu wenig Zeit, um all das Schöne in uns aufzunehmen. Wir haben auch zu wenig Zeit um Erfahrungen zu sammeln und Neues auszuprobieren.
Schon als junger Mensch wird man in eine vorgegebene Schiene gedrängt. Schnell muss man produktiv sein. Es bleibt kaum Zeit um Dinge auszuprobieren, zu erkunden. Es bleibt wenig Zeit seine Stärken und Schwächen kennen zu lernen. Alles ist Hecktisch geworden. Immer weniger Menschen sehen das Schöne, welches uns die Natur gratis zur Verfügung stellt. Einige denken jetzt sicher an die verheerenden Naturkatastrophen. Ja, diese sind nicht schön. Viele könnten jedoch verhindert werden, wenn wir wieder mehr zu unserem Planeten schauen würden.
Ich wünsche mir so sehr, dass die nachfolgenden Generationen wieder lernen zu sehen, zu spüren und zu fühlen was die Natur braucht und somit auch wir Menschen. Ich freue mich auf viele Aussteiger. Wäre gerne dabei.


29.03.10      Montag
Ich muss zwar den Menüplan und die Einkaufsliste für diese Woche erstellen. Zuerst muss ich euch aber etwas erzählen.
Ich besteige mit vielen jungen Frauen ein riesengrosses Kreuzfahrtschiff. An der Rezeption erhalten wir die Schlüssel für die vierer Kabinen. Beim Auspacken der Koffer kommt es bereits zu Zickereien. Mir wird vorgeworfen, ich nehme zu viel Platz ein. Kein Problem, rücke ich meine Sachen näher zusammen. Nun können wir endlich an Deck. Wir fahren an schönen Gegenden vorbei. Plötzlich ruft Jemand New York. Alle kramen den Fotoapparat hervor. Ich drücke ab, mein Apparat fängt an retour zu spulen. Der Film ist voll. Typisch, einen neuen habe ich nicht.
Später sitzen wir beim Essen und uns wird erklärt was von uns erwartet wird. Am Nachmittag würden wir auf  dem Laufsteg erwartet. Merkt ihr es jetzt. Ich nehme am Casting von Germanys Next Topmodel teil. Also, nix wie los in die Kabinen zum Umstylen. Beim Umziehen schaut eine Kandidatin abschätzig auf mein Bäuchlein. Ich schäme mich und bin verunsichert. Das Schiff legt an und uns wird mitgeteilt in welchem Hotel unser Auftritt stattfinden wird. Also, machen wir uns auf den Weg dorthin.
Plötzlich stehe ich allein auf der Strasse. Wo ist bloss das Hotel. Ich laufe stundenlang die Strassen auf und ab, aber niemand ist zu sehen. Weit und breit kein Hotel. Inzwischen kommen mir Zweifel, ob es richtig war, am Casting teilzunehmen. Peyman bemerkt sicher, dass ich vergessen habe die Beine zu rasieren. Und wenn die auch noch mein Bäuchlein sehen… Nein, ich will nur noch eins, das versch….. Hotel finden und ihnen mitteilen, dass ich aussteige.
Schweissgebadet wache ich auf. Dieser Traum hat mich so beschäftigt. Mein Nachthemd und das Fixleintuch sind total durchgeschwitzt. Ich glaube, ich muss mein Programmgeschmack umstellen. Oder habt ihr schon mal ein Topmodel mit Buddhabauch und haarigen Beinen gesehen?

30.03.10   Dienstag

Mit Musik ist alles besser

Abendrot

Abendrot