1.07.10 Donnerstag Wie könnte ich diesen Monat
besser beginnen, als mit einer Freuden-Botschaft. Gestern Abend so um 21.30
Uhr, checke ich noch schnell meine SMS. Und was lese ich da. Simon, mein „Göttikind“
teilt mir mit, er habe endlich die LAP bestanden. Könnt ihr euch vorstellen, wie
ich mich freue. Simon, dein Durchhaltewille ist bewundernswert. Ich danke allen
die für Simon eine Kerze angezündet haben, oder ihn sonst auf irgendeine Art
unterstützt haben. Und lieber Gott, wenn es dich gibt, Dankeschön.
Ich konnte es natürlich nicht
lassen und habe gleich X SMS verschickt. Das weiteste ging nach Canada. Meine
Schwester Bernadette macht momentan mit einem Camper die Gegend unsicher. Sie
hat sich riesig über die Mitteilung gefreut. Übrigens, es geht ihr sehr gut und
schickt liebe Grüsse an Alle.
So Simon. Diese Kerze soll nun
immer für dich brennen und dich in eine gute Zukunft begleiten.
6.07.10 Dienstag Jetzt ist es wirklich Sommer. Die Kleider gehen eine
Verbindung mit dem Körper ein. Meine nackten Arme und Beine kleben am Rollstuhl
fest. Die Hände geben sich alle Mühe, nicht von der Maus zu rutschen. Meine
Füsse sind aufgedunsen. Das finde ich etwa gar nicht schön. Dabei wollte ich
mir diesen Sommer High Heels zulegen. Wisst ihr, die mit den ganz hohen Haken.
Muss ja im Rolli nicht laufen können. Muss nur gut aussehen. Nur, mit meinen
dicken Füssen komm ich nicht rein. Damit die Füsse zwischendurch entstaut
werden, ziehe ich die hohen Stützschuhe an. Aber nur im Haus. Könnt ihr euch
vorstellen wie das aussieht? Ich, in kurzen Hosen und mit hohen, schwarzen Stiefeln an
den Füssen, schrecklich. Aber es hilft doch ein wenig.
Es ist schön, dass es zwischendurch einen Regenschauer gibt
und es ein wenig abkühlt. Beklagen mag ich mich aber nicht. So schnell ist der
Sommer wieder vorbei. Also, geniessen, geniessen.
Am Wochenende fand in meiner Gemeinde das Innerschweizer
Schwing- und Älpler Fest statt. Schwingen ist eine Sportart die ausschliesslich
in der Schweiz ausgeübt wird. Am Sonntag
fuhr ich mit dem Rolli auf den Festplatz.
Eintritt müsste ich keinen bezahlen. Beim Eingang wurde mir gleich ein Gratis
Billie umgehängt. Das war aber noch nicht alles. Für die Rollstuhlfahrer hat
man extra ein Podest gebaut, damit auch wir eine gute Sicht haben. Das ist
nicht selbstverständlich, schliesslich wurden an die 6000 Besucher erwartet. Es
war ein stimmungsvoller Anlass. Zwischendurch gab es Alphornklänge und es gab volkstümliche
Vorträge. Ein Jodelchörli hat mir sehr gut gefallen. Den Liedtext muss ich
unbedingt in Erfahrung bringen. Am Schluss wurde dem Sieger des
Schwingwettkampfes ein prächtiger Stier überreicht.
Langsam werde ich müde. Hatte heute Morgen Frühschicht. 7.00
Uhr Spitex, 8.30 Uhr Physio, 9.30 Uhr Fussreflexzonenmassage, 11.15 Uhr
Mittagessen, 13.00 Uhr Einkaufen fahren, 18.00 Uhr Tagebucheintrag schreiben,
20.00 Uhr Milchkaffe trinken (Amyschiff braucht Benzin) und jetzt fahre ich
Fussball gucken.
8.07.10 Donnerstag
Manchmal werde ich schon traurig, wenn ich von den
Schicksalen von Andern ALS-Betroffenen höre. Der Krankheitsverlauf ist
verschieden. Er kann wenige Monate betragen, oder wie bei mir, mehrere Jahre.
Wir wissen aber Alle, dass uns am Schluss die Luft wegbleibt. Einige von uns
stehen in engem Internet-Kontakt. Mitzuerleben wie Jeder immer schwächer wird.
Wie die Familien jeden Tag ihre ganze Kraft mobilisieren, um für die
Betroffenen da zu sein. Ihre eigenen Interessen und ihr eigenes Leben müssen
sie hinten anstellen. Klar, man könnte uns in ein Heim geben. Weg von den
Kindern, weg vom Partner oder weg von der vertrauten Umgebung. Wenn man aber
das Geld, was so ein Heim kostet, für die Betreuung Zuhause einsetzen könnte,
würden die Angehörigen entlastet und es würden weniger Kosten entstehen. Ein
Heimplatz kann bei Intensivpatienten bis zu Fr. 1000.— betragen. Es kann ja
nicht sein, das ein 40 jähriger ALS-Betroffener in ein Heim abgeschoben wird,
nur weil die Pflege zu Hause von den Betroffenen nicht finanziert werden kann.
Zum Glück hat der Ständerat dies nun zum Teil begriffen und einer Änderung
zugestimmt. Ich hoffe sehr, dass der Assistenzbeitragfür meine lieben Freunde, die gerade in diesem Dilemma stecken, schon früher
angewendet werden kann.
9.07.10 Freitag Sommer, Sonne, Sonnenschein, so muss es sein. Bei solchem Wetter
hält mich nichts im Haus. Am Mittwoch hab ich wieder eine kleine Schifffahrt
unternommen. Kurz bevor das Dampfschiff abfährt, brause ich mit dem Rolli heran.
Über eine Rampe gelange ich auf das Schiff. Das Billie lösen ist für mich etwas
umständlich. Der Schalter ist zu hoch. Es dauert seine Zeit, bis ich dem
Matrosen erklärt habe wohin ich will, wo ich mein Geld habe, dass er das Geld
selber heraus nehmen muss und er mir das Billie fest in die Hand legen muss. Aber
irgendwie geht’s immer. So, nun aber ab an die Reling. Es ist so herrlich den
Fahrtwind auf meiner Haut zu spüren. Den Wellen zuzusehen die vom Schiff ausgelöst
werden. Es ist einiges los auf dem Wasser. Surfer spielen mit dem Wind.
Segelboote haben ihre Segel gesetzt und Yachten kreuzen unsere Fahrt. Nun kommt
ein Matrose und scheucht uns vom Platz weg. Wir legen an. Leute steigen aus,
andere ein. Die Fahrt geht weiter. Inzwischen hab ich einen Platz gefunden, an
dem ich niemandem im Weg sitze. Eine Familie sitzt in meiner Nähe. Ihre beiden
Jungs, ca. 5 und 6 Jährig, sind völlig
begeistert von dieser Schifffahrt. Sie laufen hin und her und schauen alles
genau an. Plötzlich ertönt das Schiffshorn. Je, ihr glaubt es nicht. Die beiden
Jungs halten die Ohren zu. Sie haben sich so erschrocken. Das zeigt mir, wie
feinfühlig diese Jungs sind. Als dann
später noch ihre Mutter zu mir kommt und mich fragt ob ich alleine Unterwegs
sei und ob sie mir etwas zu trinken holen kann, da weiss ich, diese Jungs dürfen
in einem gesunden Umfeld aufwachsen. In Liebe und Geborgenheit.
Ach, jetzt kommt wieder der Matrose zu mir und sagt, ich
müsse in Brunnen aussteigen. Ich sage ihm: Ja ich weiss. Als er dann noch sagt,
also kommen sie, fühle ich mich wie ein kleines Kind. Er meint es ja nur gut.
Ihm fehlen einfach das Verständnis und das Feingefühl. Aber ich lasse mir den
Ausflug nicht verderben und mache mich über die Axenstrasse und über den Weg
der Schweiz auf die Rückreise. Ich geniesse den Fahrtwind in meinen Haaren und
die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kurz vor 17.00 Uhr ertönt mein Telefon. Wann
kommst du, fragt mein Mann. Wir warten mit der Torte auf dich. Oh, jetzt muss
ich aber Gas geben. Mein Sohn hat nämlich Geburtstag.
Das war wieder mal ein schöner Tag.
11.07.10Sonntag Schwarz auf weiss, es ist
heiss. Diese Uhr steht in meinem Zimmer.
Obwohl heute ein Gewitter vorbeigezogen ist, ist mein Zimmerthermometer noch auf gleicher Höhe. Na dann, gute Nacht.
Für Interessierte. Habe meine Medikamente - und Therapieliste unter ALS eingefügt.
17.07.10 Samstag
Mit einem Milchkaffe mache ich es mir auf dem Balkon
gemütlich. Es ist wieder so ein sonniger Tag. Die Sonne hat sich in den letzten
beiden Wochen von ihrer besten Seite gezeigt. Das es Sommer und somit
Ferienzeit ist, sieht man auf der Autobahn, welche nach Süden führt. Sie ist
völlig verstopft. Momentan beträgt die Wartezeit vor dem Gotthardstrassentunnel
4 Std. Von meinem Balkon aus sehe ich auf diese Autobahn. Ich sehe wie sich die
zweispurige Autokollonne Richtung Süden schlängelt. Vollgepackte PKWs,
Wohnmobile, Motorräder und Reisebusse stehen Stossstange an Stossstange.
Zwischen drin Lastenzüge mit neuen Autos auf der Lade Brugg und weiter hinten ein
Benzin- Öltankwagen. An so einem Wochenende sollte die Autobahn für Lastwagen
einfach gesperrt werden.
Ich bin froh, muss ich nicht in dieser Kolonne stehen. Ich
schaue lieber den Vögeln zu, die am Himmel ihre Kreise ziehen.
Stau auf der A2
18.07.10 Sonntag
Der Rollstuhl im Kofferraum verstaut. Das Picknick mit dem Urner
Kaffee eingeladen. Die Caps auf dem Kopf. Die Sonnenbrille auf der Nase. So,
jetzt kann es losgehen mit der Pässe Fahrt. Zuerst fahren wir Richtung
Oberalppass. Es ist reger Verkehr auf der Passstrasse. Uns fallen vor allem die
vielen Harleys auf. Viele sind in Gruppen unterwegs. Da muss wohl irgendwo ein HOG
- Treffen gewesen sein. Viele tragen ein Chapter-Emblem auf ihren Westen. Früher,
als ich noch auf die Harley steigen konnte, nahmen wir auch an Treffen teil. Manchmal
macht es schon weh, wenn ich an die schöne Zeit denke, als mein Mann und ich gemeinsam
mit der Harley unterwegs waren. Ich bin so gerne mitgeritten. Aber was solls. Ich durfte es wenigstens
selber erleben.
Kurze Zeit später suchen wir uns einen Picknickplatz. Der
Kaffee tut gut und der warme Käse hat sein volles Aroma entwickelt. Mmmh,
schmeckt im Freien einfach besser.
Weiter geht es nun Richtung Lukmanierpass. Die Landschaft ist
atemberaubend. Die Wildblumen blühen um die Wette. Diese Luft, diese Freiheit.
Dieses Gefühl ist die beste Medizin für mich. Auf den Alpenpässen kann ich
meine Seele auftanken.
Der 3. Pass den wir erkunden ist der San Bernardinopass. Jeder Pass hat
seine Schönheit. Das Gestein ist von der Farbe und der Zusammensetzung anders.
Die Blumen können sich durch Sorten unterscheiden. Auch das Gehölz ist nicht
auf jedem Pass gleich. Damit ich mich noch lange an diesen Ausflug erinnern kann,
pflückt mir mein Mann noch zwei, drei Alpenrosen.
Damit ihr auch etwas davon habt, stelle ich ein paar Bilder
ins Fotoalbum.
Stonehenge in den Schweizer Alpen?
20.07.10 Dienstag Es ist so ein herrlicher Sommerabend. Ich höre die Grillen
zirpen und die Vögel pfeifen. Der Lindenblütenbaum vom Nachbar verströmt einen
betörenden Duft. Das weckt Erinnerungen an Früher.
Es ist ein heisser Sommertag und wir Kinder müssen beim Heuen helfen.
Zwischendurch plagt uns der Durst. Wenn ihr meint, wir können einfach eine Cola-
oder Oranginaflasche öffnen, da irrt ihr
euch. Pläterliwasser gabs damals bei uns noch nicht. Wir dürfen hingegen vom
gekühlten, herrlich schmeckenden Lindenblütentee trinken, so viel wir mögen. Der
Tee schmeckt so gut.
Unser Vater holt jeweils Lindenblütenäste vom Wald und wir
pflücken die Blüten davon. Diese werden ausgelegt und getrocknet. Später wird
der Vorrat in Leinensäcke abgefühlt und auf den Estrich gehängt.
Meine Mutter gibt beim Teekochen jeweils noch Zitronenschale
dazu und süsst mit Brustzucker (Kandiszucker). Schnell sind flicke Hände da und
versuchen ein kleines Stückchen Brustzucker zu erhaschen um es schnell in den
Mund zu befördern.
Am Abend rennen wir auf dem kurzgeschnittenen Land herum
oder spielen darauf Ball. Wir müssen das ausnützen. Sobald das Gras wieder ein
bisschen höher ist, dürfen wir es nicht mehr betreten. Mein Vater bemerkt sehr schnell, wenn jemand im hohen Gras umägleitscht (herum gelaufen) ist. Wir sind dann jeweils froh, wenn keines der Geschwister den anderen verrätscht
(verrät).
So, nun geniesse ich noch ein wenig den Abend.
21.07.10 Mittwoch
Heute Nachmittag bin ich zu Besuch bei meinen Eltern. Es ist
so gemütlich unter dem Nussbaum zu sitzen der uns gleichzeitig noch Schatten
spendet. Da schmeckt das Kaffee und der frisch gebackene Kuchen doppelt so gut.
Da ertönt das Telefon in der Küche. Meine
Mutter und mein Vater hören nicht mehr so gut. Also sag ich, das Telefon
läutet. Meine Mutter springt auf und läuft so schnell sie eben noch kann, die
Treppen hinauf. Oben angelangt muss sie feststellen, dass der Anrufer schon aufgelegt
hat. Also rechts umkehrt und wieder hinunter. Kurze Zeit später sage ich wieder,
das Telefon schellt. Meine Mutter springt wieder auf und mein Vater und ich
feuern sie an. Aber leider wieder nicht geschafft. So wiederholt sich dies
sicher vier, fünf mal. Bei einem Anrufer hat sie’s dann doch geschafft. Es ist ein
Verwandter, der ihr zum Geburtstag gratuliert. Meine Mutter ist heute nämlich 81
Jahre geworden. Ich muss sagen, meine Eltern sind eigentlich noch recht fit.
Nur mit den neumodischen, schnurlosen Telefone und Handys haben sie ihre liebe
Müh.
Langsam trudeln immer mehr Gratulanten ein. Es wird immer
geselliger. Es kommen wieder Geschichten von Früher auf den Tisch. Warum eine Narbe
den Oberschenkel einer meiner Schwestern ziert, erzähl ich euch ein andermal.
Ich würde gerne noch länger bleiben, aber ein Gewitter ist im Anmarsch.
Also Rolli, gib Gas. Uf, hab’s gerade noch nach Hause geschafft. Nun entladen sich die Wolken. Blitze schiessen
vom Himmel und der Donner grollt durch die Luft. Langsam wird es kühler. Jetzt
kann mal wieder richtig durchgelüftet werden.
22.07.10 Donnerstag Bin soeben von meiner Reise in Canada zurück. Die Gegend
dort ist traumhaft. Es hat Berge wie bei uns. Manche haben Schnee oder
Gletscher auf dem Kamm. Viele Seen und Flüsse prägen die Landschaft. Die
Nadelbäume tragen ein sattes Grün. Manchmal entdecke ich eine Hirschkuh im
Unterholz oder einen Bären der nach Beute sucht. Die flinken Erdhörnchen sind
sehr zutraulich. Grosse Rapsfelder verleihen der Landschaft einen gelben Tatsch
und auf den grossen Farmen leben viele Kühe. Es ist einfach alles viel grösser als bei uns.
Nur schade, aber jede Reise geht einmal zu Ende. Meine
Schwester schliesst das Fotoalbum von Canada und ich kehre nach zwei Stunden in
die Realität zurück.
Die schönen Bilder bleiben aber in meinem Gedächtnis.
23.07.10 Freitag Leise ziehen feine Regentropfen Muster auf meine Fensterscheiben.
Der Regen sieht so, klar und sauber aus. Er fällt so unschuldig vom Himmel, als
könnte er kein Wässerchen trüben. Er kann auch anders. Gestern hat er sich an
einigen Orten so richtig ausgetoppt. Er hat seine Tropfen in Eis verwandelt und
liess Hagelkörner regnen. Er verwandelte kleine, unschuldige Bächlein zu
reissenden, schmutzigen Strömen.
Unsere Gemeinde wurde diesmal verschont. Es war auch schon ganz anders. Ich
kann mich gut an die drei grossen Unwetter erinnern, die meine Gemeinde und den
Kanton heimsuchten. Eines war für meine Familie besonders schlimm. Die Reuss (Fluss)
trat über die Ufer. Überflutete grosse Teile von Wohnquartieren und
Landwirtschaftsbetriebe. Ich hatte grosse Angst um meine Eltern, Brüder und
Schwester. Das Wasser kam so schnell. Mein Vater und mein Bruder konnten die
Kühe noch schnell aus dem Stall treiben, bevor sie sich in letzter Minute in
die oberen Stockwerke in Sicherheit bringen konnten. Das alles in der Nacht bei
Stromausfall. Zum Glück konnten später alle Personen mit Booten gerettet werden.
Leider mussten aber viele Tiere ihr Leben lassen. Die Aufräumarbeiten haben etliche Zeit in Anspruch genommen. Aber die Solidarität war grossartig. Solche Erlebnisse wird man
wohl nie vergessen. Ich werde trotz meiner Liebe zur Natur auch nie vergessen, wie unberechenbar und brutal sie sein kann.
Momentan zeigt sich die Natur von ihrer sanften Seite.
26.07.10 Montag Am
Samstag klingelt der Wecker schon um 6 Uhr. Heute haben wir eine lange
Autofahrt vor uns. Wir fahren ins Wallis. Nach 3 Stunden erreichen wir Champéry.
Dort findet ein Mountainbike-Weltcup statt.
Die Downhill-Strecke
gilt als steilste im ganzen Weltcup. Das will
sich mein Junior natürlich nicht entgehen lassen. Also spielen wir Taxi.
Während der
Wettkampf stattfindet, machen Piet und ich eine Rundreise mit Abstecher nach
Frankreich. Wir fahren an vielen Weinbergen vorbei. Kleine Dörfer fallen durch
eine vielfältige Blumenpracht auf. Und die Holzhäuser strahlen Wärme und
Gemütlichkeit aus. Die Wolken haben sich für einen Moment gelichtet und geben
die Sicht auf den Mont Blanc frei. Zum Schluss, wieder im Wallis angekommen,
lockt uns ein Strassenverkäufer mit Walliser Aprikosen. Dazu muss ich euch schnell
eine Geschichte erzählen. Ich kann es amigs (manchmal) kaum erwarten bis es im
Sommer die ersten Aprikosen gibt. Als wir anfangs dieses Jahres über einen Pass
fuhren, rief ich Piet voller Aufregung zu: Halt an, Aprikosen. Piet schaut mich
an und fährt einfach weiter. Ich frage ihn: Warum hast du nicht beim
Strassenverkäufer angehalten. Er schaut mich ungläubig an und sagt zu mir: Es
ist noch zu früh für Aprikosen. Auf der Tafel stand, Alpenrosen zu verkaufen.
Schäm, aber das schreibt sich schliesslich fast gleich.
Diesmal sind es
aber tatsächlich Aprikosen. Die Walliser sind einfach die Besten.
Später geht’s mit
dem Junior im Gepäck wieder nach Hause.
Foto vom Ausflug im Album eingefügt
28.07.10
Mittwoch Damit ich weiterhin
meine Hilfsmittel benutzen kann, müssen einige von Zeit zu Zeit an meine
fortschreitende Behinderung angepasst werden. Ich kann meinen Treppenlift kaum
mehr selber bedienen. Ich stelle mir vor, den Lift mit einer Infrarotbedienung,
welche ich auf dem Rollstuhl mitführe, zu bedienen. Leider ist der
Lifthersteller noch nicht so weit, um mir dies anbieten zu können. Sie haben
mir aber versichert, dass sie an der Herstellung eines Prototyps arbeiten und
ich diesen eventuell in einigen Monaten testen dürfte. Die
Sicherheitsvorschriften für so einen Treppenlift sind schon enorm. Ist sicher
berechtigt. Besonders bei solchen Künstlern wie ich. Wie ihr ja jetzt wisst,
komme ich beim Treppenlift nicht mehr richtig an die Fahrtasten. Da ich aber
nicht so schnell klein bei gebe, habe ich mir kürzlich etwas überlegt. Ich fahre
also im Keller auf den Treppenlift. Danach fahre ich den Rollstuhllift
(befindet sich im Rollstuhl) in die Höhe, bis ich von oben die
Treppenlifttaster bedienen kann. Ich denke mir noch, warum ist mir diese Idee
nicht schon früher in den Sinn gekommen. Voller Freude fahre ich die Treppen
hinauf. Plötzlich bemerke ich, wie mich etwas nach hinten zieht. Ich höre wie
Nägel aus dem Holz gezogen werden und Staub auf meinen Kopf rieselt. Kurz bevor
ich mit dem Rollstuhl ein Wheelie auf dem Treppenlift vorführe, kommt mir in
den Sinn, ich könnte eigentlich den Lift stoppen. Gedacht, getan. Was war
geschehen: Wegen dem hochgefahrenen Lift, hat meine Kopfstütze oben an der
Decke an einer Paneele (Brett) eingehängt und diese losgerissen.
Nachdem sich mein mulmiges
Gefühl verflüchtigt hatte, setzte ich meine Fahrt mit der lädierten Kopfstütze
fort. Ihr seht, so gehen meinem Mann die Reparaturarbeiten nie aus. Ich hoffe
nun auf die neue Infrarotbedienung.
Der Closomat wurde
am Montag ebenfalls mit einer Infrarotbedienung ausgestattet. Jetzt bin ich
wieder Herr und Meister auf meinem Örtchen.
Ich hoffe nun, die
IV sieht diese Anpassungen ebenfalls als
eine Notwendigkeit an und beteiligt sich an den Kosten. Mit solchen Anpassungen
wird mir ein wenig Selbständigkeit zurückgegeben.
31.07.10
Samstag Hei, ist das schön
wieder mal durch die Sonne geweckt zu werden. Sie hat mir mitten in mein
Gesicht geschienen und meine Hamsterbacken haben sich so warm angefühlt. Der
Himmel ist stahlblau. Ein krasser Gegensatz zu den letzten Tagen.
Ich freue mich so,
endlich wieder nach Draussen rollen zu können. Am Nachmittag wird der Rasen
gemäht und der Pflaumenbaum muss von seinen vielen Früchten befreit werden.
Zwischendurch bekomme ich meine heissgeliebte Grillwurst. Später wird noch die Urner
Fahne an die Fassade gehängt und in der Umgebung flattern viele
Schweizerfähndli. So, nun sind wir bereit für den morgigen Nationalfeiertag.