1.11.10 Montag Das verlängerte Allerheiligen-Wochenende gehörte wie jedes
Jahr den Ostschweizer Besuchern. An
diesen Tagen besuchen einige von Piets Geschwistern das Grab der Eltern und ihr
Elternhaus, in welchem mein Mann und ich
wohnen. Es ist so schön zusammen zu sitzen, Neuigkeiten auszutauschen und über Altes zu lachen.
Das Urnerkaffee und die Zieger-Krapfen dürfen da natürlich nicht fehlen. Wenn
dann mein Mann ein Zabigplätchen und einen Teller mit verschiedenen
Urner-Alpkäsen auftischt, wird’s erst recht heimelig.
Die Familien ist so etwas kostbares, man muss sie einfach
hegen und pflegen. Meinem Mann und mir bedeutet das sehr viel.
4.11.10 Donnerstag Ist das schön. Der Abendhimmel strahlt wieder in Rottönen zu uns herunter. Es ist so eine wunderbar warme Stimmung
draussen. Es ist fast Windstill. Sogar
die Vögel vergessen vor lauter staunen zu pfeifen. Aber was sehe ich denn da.
Fliegt doch prompt eine Fledermaus vor meinem Fenster herum. Hab gemeint,
Halloween sei vorbei.
Heute war überhaupt ein sonniger, warmer Tag. Trotzdem sitze
ich nun mit einem Nasentröpfli, kalten Füssen und klammen Fingern vor dem PC.
Ihr ahnt es, ich habe heute eine Rolli ausfahrt unternommen. Ich war wieder mal
an meinem See und bin durchs Schilf gefahren. Ihr glaubt es nicht, aber
zwischen dem getrockneten Schilf blühen immer noch wilde Kamille-Blumen.
Da am Samstag unser 2. Schwesterntreffen stattfindet, musste
ich noch beim Restaurant vorbei schauen und einen Tisch reservieren. Und wenn
ich schon unterwegs bin, erledige ich doch gleich noch andere anstehende
Geschäfte. Wie das so ist, man trifft diesen und jenen Unterwegs und wechselt
ein paar Worte miteinander. Als ich fast zu Hause bin treffe ich dann noch auf
eine meiner Schwester. Natürlich wird auch wieder gequatscht und natürlich ist
es inzwischen kühler geworden. Sollten wir uns verkühlt haben, trinke ich mit
Doris am Samstag einfach einen Kaffee-Schnaps, der wärmt so schön von innen
her.
So, nun fahr ich meine Finger wärmen.
8.11.10 Montag Jetzt sind sie weg, die Blätter an der Linde. Ganz nackt
steht sie nun da und trotzt dem Regen. Doch was glänzt denn da an ihren Ästen oben.
Es sind Regentröpfchen, die Rast einlegen auf der Reise nach unten auf den
Boden. Nun ruh dich aus du schöne Linde. Bald hüllt dich ein, ein weisses
Kleid.
Auf der Suche nach einer passenden Musik, habe ich dieses treffende Lied gefunden.
Am Samstag hatten wir unser Schwestern-Treffen. Nach und
nach sind sie am Abend bei mir eingetrudelt.
Eine der Schwestern war am Morgen sogar noch in Frankreich. Sie hat uns
Lavendelsäckchen mitgebracht. Die haben so herrlich geduftet. Jedes der
Säckchen hatte eine andere Farbe. Komischerweise wusste jede von uns sofort
welche Farbe zu wem gehört. Ich bin übrigens die mit der Farbe Grün. Wir haben
uns dann ein wenig über die Bedeutung der Farben unterhalten. Ich wollte dies
noch ein wenig genauer Wissen und hab daher Heute im Internet gegooglet.
Hier ist eine
Seite darüber.
Auch Trauben haben den Weg von Frankreich in die Schweiz
geschafft. Wie diese Sorte heisst, weiss ich nicht. Wir hatten früher ähnliche.
Sie sind klein und sehr süss. Bei uns hiessen diese Chatzäseicherli (Katzenpisser). Fragt mich ja nicht warum.
Nach einem Mandarinen-Apero machten wir uns auf den Weg zum
Nachtessen. Ich hatte es wieder mal richtig gut. Ich wurde gleich von zwei
Schwestern gefüttert. Hmm, das Steinpilz Risotto war ausgezeichnet. Das Reis
hatte innen noch den weissen Kern. Zum Dessert hätten wir gerne ein
Zwetschgensorbet gehabt. Am liebsten mit „alter Zwetschge“. Leider gabs das nicht.
Aber das Melonensorbet ohne Schnaps war auch gut. Wir haben uns nur gewundert, warum
bei der Schwester mit dem Zitronensorbet, statt eines Chräpfli, ein Mexikaner in
der Kugel steckt. Ja, und was für eine Flüssigkeit schwimmt den da um die Glace? Kein
Wunder wurde sie immer lustiger. Bei dem Wodka.
Zum Glück mussten wir nicht selber nach Hause fahren. Mein
Mann hat Taxi gespielt. Es war ein schöner Abend. Schwestern, immer wieder.
10.11.10 Mittwoch Während drei Jahren hat sich mein Sohn, nebst der Arbeit, zum
Maschinen-Techniker ausbilden lassen. Gestern Abend fand nun die Präsentation
seiner Diplomarbeit statt. Ich bin mächtig stolz auf ihn. Der Entzug seiner Freizeit-Aktivitäten hat sich
gelohnt. Judihui, er hats gepackt. Auch ich
durfte an seiner Arbeit teilhaben. Beim Durchlesen bekam ich einen kleinen
Einblick in seine Arbeit. Ich war nur froh, dass ich die komplizierten
Berechnungen und Fachausdrücke nicht verstehen musste.
Peter, nun wünsche ich dir eine schöne Zeit in Prag. Musst
aber nicht gleich alle Biersorten durchprobieren.
11.11.10 Donnerstag Ich weiss nicht ob ich es schon mal erwähnt habe. Ich höre sehr
gerne Irish Folk. Wenn die Musiker anfangen ihren Flöten, Geigen und andern Instrumenten Laute zu entlocken, tauche ich
hinein in eine andere Welt. Ich spüre die Geschichte des Landes in ihrer Musik.
Manchmal tönt sie rau und laut und manchmal fein und leise. Ich spüre die
Mystik dieses Landes. Zum Einstimmen: Leises Lied und ein Lauteres Lied Das Leben in Irland war lange Zeit durch interne und externe Konflikte
geprägt. Ich selber kenne das Land nur
aus Erzählungen und Bildern. Zum Glück habe ich liebe Besucher die mir von
ihren Ferien berichten. So besuchte mich Gestern eine ehemalige
Spitex-Mitarbeiterin und erzählte mir von ihren Ferien in Irland. Durch ihre
Erzählungen lernte ich einiges über das Land und seine Leute. Es kommt mir vor,
als wäre ich selber an den Klippen gestanden.
Ich habe Monika ein Foto geklaut. Das muss ich euch zeigen. Es ist eine alte
Kirche. Sie hat die Form eines umgekehrten Bootes. Das einzige Fenster wird durch
die Morgensonne geflutet und die Türe steht in der Abendsonne.
19.11.10. Freitag Eine Woche lang hat
die Panne von Swisscom gedauert. Die Homepages konnten nicht bearbeitet werden.
Da die Kommunikation zwischen der Swisscom und ihren Kunden nicht optimal verlief,
wussten wir Benutzer nicht, was wirklich los ist. Einige suchten den Fehler bei
der eigenen Anwendung. War schon ein wenig frustrierend. Was passiert nur mit
unseren renommierten Schweizer Vorzeige-Firmen. Wo bleibt ihre Qualität und ihre
Verlässlichkeit. Klar, die Schweiz hat viel zu wenig IT-Spezialisten, aber
Infos können auch Nicht-Experten heraus geben. Swisscom muss ihre
Informationspolitik umgehend verbessern.
Zum Glück hat mir
gestern eine liebe Freundin als Geburtstagsgeschenk eine Fee vorbei geschickt. Die
hat mir gleich einen Wunsch erfüllt. Die Homepage geht wieder.
Ich hatte einen so
schönen Geburtstag. So viele liebe Menschen haben bei mir vorbei geschaut. Der dreimonatige
Noah war der jüngste und mein Vater mit seinen Vierundachtzig Jahren der
älteste Besucher. Ich liebe es, Menschen um mich zu haben.
Was mich natürlich
auch gefreut hat, sind die vielen Mails, Glückwunschkarten, Gästebucheinträge, Kontakteinträge,
Facebookeinträge und SMS.
Der grösste Dank
gehört Piet. Er hat dafür gesorgt, dass meine Gäste immer zu trinken und zu
essen hatten.
Am Abend war ich
dann schon ein wenig müde. Ich bin sicher mit einem Lächeln im Gesicht
eingeschlafen.
20.11.10 Samstag Für die Fans der Rockgruppe Gotthard. Am 26. November kommt die neue CD
"Heaven" heraus. Nebst älteren Songs sind auch 3 Neue Songs auf der
Scheibe.
17.00 Uhr
Manchmal, sitze ich
einfach nur vor meinem PC und höre Musik. Gelegentlich schweifen meine
Blicke zum Fenster und ich nehme mit den
Augen am pulsierenden Dorfleben teil. Heute Nachmittag geht es auf meiner Kreuzung
eher ruhig hin und her. Mir scheint, auch die Fussgänger sind gemächlicher
unterwegs. Ich glaube fasst, die Natur steckt uns an. Bäume, Sträucher und
Pflanzen haben ihre Energien herunter gefahren und auch die Tiere sind nicht
mehr so aktiv. Vielleicht steht diese Jahreszeit im Zeichen der Regeneration. Es
ist die Zeit der Stille. Es ist die Zeit des Innehalten. Schenken wir uns Zeit
über unser Dasein nachzudenken. Bin ich zufrieden, so wie mein Leben verläuft? Oder
sitze ich bloss meine Jahre hier ab? Diese Jahreszeit ist auch die Zeit der warmen
Lichter. Die Zeit der Hoffnung. Nimm deine Möglichkeiten war. Denn nicht alle
haben diese Möglichkeit. Also, nimm dir die Zeit für dein Leben.
21.11.10 Sonntag Kurz nachdem ich Gestern über das Leben geschrieben habe,
erhielt ich die Nachricht, dass wieder zwei ALS’ler von uns gegangen sind.
Obwohl das Leben und der Tod Gegensätze sind, gehören sie
zusammen. Wenn man sich mit seinem Leben befasst, muss man sich auch mit dem
Sterben auseinander setzen. Je nachdem, an Was und wie Jemand glaubt, so unterschiedlich
sind die Vorstellungen vom Tod. Ziel wäre es doch eigentlich, den Schrecken vor
dem Tod zu verlieren. Denn, wer weiss schon, welch wunderschönes uns danach
erwartet.
Wenn sich schon Kinder mit dem Tod befassen, warum nicht
auch wir, die Erwachsenen.
24.11.10 Mittwoch Da mich ein Besucher heute Nachmittag versetzt hat, habe ich Zeit, ein wenig über diese Woche zu berichten.
Wir machen ja keinen eigentlichen Frühlingsputz mehr. Es
gibt aber noch keine Küchenschränke, die ihren Inhalt selbstständig
Aussortieren und sich reinigen. Da mein Mann genug anderes zu tun hat, und
Männer nicht unbedingt ein Händchen dafür haben, orderte ich kurz eine
Reinigungskraft. Es ist schon erstaunlich, was man so alles aufbewahrt. Nach
diesem Nachmittag gehöre ich nun definitiv ebenfalls zur sogenannten
Wegwerfgesellschaft. Es musste aber mal sein. Jetzt haben wir wieder Platz in den
Kästen.
Vor kurzer Zeit wurden Piet und ich angefragt, ob wir bereit
wären, bei einer Vertiefungsarbeit über die Krankheit ALS, mitzuwirken. Für uns
war das selbstverständlich. So kam es, dass wir gestern Nachmittag, drei gut
vorbereiteten Lehrlingen gegenüber sassen. Piet und ich standen ihnen so gut
wie möglich Rede und Antwort. Sich in so
jungen Jahren mit einer unbekannten Krankheit zu befassen, ist schon eine
Herausforderung. Man bedenke, diese Vertiefungsarbeit macht einen Drittel ihrer
Abschlussnote aus. Hut ab und viel Glück.
An den Abenden war ich natürlich auch nicht untätig. Vor
etwa einer Woche habe ich aus Unachtsamkeit, sämtlich Unterseiten der ALS
Rubrik gelöscht. Nun galt es diese wieder neu zu erschaffen. Einige sind zwar nicht
mehr ganz so ausführlich wie vorher, aber ich glaube das genügt. Darum, immer
zweimal kontrollieren, bevor man auf Löschen drückt. Mir jedenfalls war das eine Lehre.
Jetzt habe ich endlich wieder einen freien Abend.
25.11.10 Donnerstag Manchmal frage ich mich schon, wie ich die vielen lieben
Menschen um mich herum verdient habe. Es ist unglaublich, wie viel Anteilnahme
mir seid meiner Erkrankung entgegengebracht wird. Die Freunde sind nicht
weniger geworden. Im Gegenteil, ich habe Freunde dazu gewonnen. Ihr, meine
lieben Mitmenschen tragt dazu bei, dass mir mein Leben trotz all meinen
Behinderungen immer noch so enorm Spass macht.
Mein Spass fängt meistens schon am Morgen an. Als ich heute
Morgen von der Spitex gepflegt wurde, ertönte aus dem Radio ein super Sound. Da
konnten wir nicht anders als mitzugehen. Eben, ein Beet bei dem man einfach mit
muss. Ich habe alles gegeben. Hab geschüttelt, was es noch zu schütteln gibt.
Hab meine rechte Hand so weit nach Oben gestreckt wie es eben ging und
versuchte das Viktore-Zeichen zu machen. Ich wurde von der Spidi darauf
hingewiesen, dass bei diesem Sound alle Finger eingesetzt werden. Super, dann
mach mal. Aber warte ab, wenn nächstes Mal Haevy Metal gespielt wird, bin ich
am Drücker. Dieses Zeichen kenne ich. Es fehlen mir nur noch die langen Haare zum
headbangern.
26.11.10 Freitag Gestern Nachmittag
besuchte mich mein Götti mit seiner Frau. Mit diesen beiden sind Piet und ich
auf unterschiedliche Weise verbandelt. Mein Götti ist ein Cousin meines Vaters.
Seine Frau ist eine Cousine von Piet. Und ihre Gotte ist die Mutter von Piet.
Alles klar? Solche Zufälle gibt’s.
Später kam auch noch eine meiner Schwestern vorbei. Sie
macht mir jedes Jahr das Adventsgesteck. Als ob sie es gespürt hat, dass ich
auf die Schneeflocken warte, hat sie das Gesteck in weiss gestaltet. Sogar ein
Schneemann hat darauf Platz gefunden. Sieht wunderschön aus.
Habt ihr eigentlich gewusst, dass rote Socken die Füsse
besser warm halten als Socken mit anderen Farben. Ich weiss nicht ob ich das
glauben kann. Meine Schwester und mein Mann sind natürlich fest davon
überzeugt. Kein Wunder sind die Beiden der gleichen Meinung. Ich glaube fasst,
meine Schwester manipuliert Piet mit ihren feinen Backwaren. Wir werden es
wissen, sobald die roten Socken gestrickt sind. Piet hat mir Gestern bereits vorsorglich
ein paar rote Socken gekauft. Die trage ich nun. Mal schauen. Werde es schon
merken, ob sie mich nur auf die Schippe genommen haben.
Im Dunkeln sind sie gekommen. Ganz sanft und leise. Haben
sich hingelegt auf ihre Weise. Nun ist alles weiss, alles verschneit. Seid
willkommen ihr weissen Sterne. Dazu ein kleines Lied
28.11.10 Sonntag Ein Teller mit
grünem Griss (Tannenäste) steht auf unserem Stubentisch. Vier weisse Kerzen
bilden einen Kreis. Nur Eine flackert mit hellem Schein und schaut gespannt zum
Fenster raus. Es ist kalt geworden. Langsam wird es Abend. Dunkelheit schleicht
um die Häuser. Doch plötzlich funkeln viele kleine Lichter durch die Nacht.
Lichterketten zieren Hauseingänge und in den Fenstern leuchten Sterne um die
Wette.
Es ist der 1.
Advent.
Was dringt den
jetzt an meine Ohren. Kuhglocken mitten im Winter? Es tönt immer lauter. Nun erleuchten
brennende Fackeln die Nacht. Männer in dunklen Kutten treten aus der
Dunkelheit. Es wird immer lauter und heller. Und jetzt weiss ich was los ist.
Ich habe nicht daran gedacht. Heute ist Samichlauseinzug (Nikolaus) in unserer
Gemeinde. Nun aber schnell ans Fenster. Sie ziehen gleich an unserem Haus
vorbei. Zuvorderst laufen die Fackelträger. Hinter ihnen ist die Trychlergruppe.
Das trychlen fährt jedem der dies hört durch Mark und Bein. Anschliessend
folgen viele Kinder mit ihren selbst gebastelten Laternen. So ein schönes
Lichtermeer. Dann kommen die Schmützlis (Knechte Ruprechts). Einer führt einen
Esel an der Hand. Und nun endlich sehe ich auch den Samichlaus mit dem Bischofsstab und der Mitra
auf dem Kopf. Sein weisser Bart ist immer noch so schön gelockt und voluminös
wie Früher. Wie macht er das nur? Viele Leute begleiten den Einzug ums Dorf.
Ich freue mich, dass solche Traditionen weiterhin praktiziert werden. Sind wir mal
ehrlich. Manchmal wünschen wir uns doch die Kindheit zurück. Vielleicht ist das
ein Teil von Heimat.
Damit dieses Licht und diese Wärme alle Menschen erreicht, habe ich die Rubrik "Kerzenlicht" aufgeschaltet.