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Ich wünsche allen ein wunderschönes Neues Jahr

2.01.12  Montag
Seit ihr auch Alle gut im neuen Jahr angekommen? Mein Mann und ich haben den Jahreswechsel mit meinem Bruder Siebenloch und Schwägerin Luzia verbracht. Für das Nachtessen haben wir in einem Restaurant Plätze reserviert. Unser Tisch stand ein wenig abseits von den andern Tischen in einer heimeligen Nische. Das hat mir sehr gut gefallen. Es macht mir zwar nichts mehr aus, wenn andere zuschauen wie mir das Essen gereicht wird. Trotzdem ziehe ich es vor, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Das Essen mit dem Dessert war üppig und sehr fein. Und das Personal war sehr freundlich und zuvorkommend. An Unterhaltung hat es auch nicht gemangelt. Die Ein-Mann-Live­-Band hat an Lautstärke nicht gespart. Er hat sein Bestes gegeben. Doch als er dann bei Herzilein und Sierra matre del sur angelangt war, haben wir es vorgezogen das Weite zu suchen. Wir sind dann zum Anstossen zu uns nach Hause gefahren. Der Höhepunkt des Abends war das Feuerwerk vom Hotel Burg (Pouletburg), welches wir von der Terrasse aus bewundern durften. Das war wieder mal ein gelungener Einstieg ins neue Jahr.

5.01.12  Donnerstag
Die besinnlichen Festtage gehen mit dem Morgen stattfindenden Dreikönigstag zu Ende. Die Christbäume werden  einer nach dem andern ab geschmückt und die Weihnachtsdekorationen werden entfernt. Was übrig bleibt sind angefangene Pralinenschachteln und Resten von Weihnachtskerzen. Mit der Zeit werden aber auch diese Sachen aufgebraucht sein. Was man jedoch nicht entfernen kann und immer in Erinnerung bleiben wird, sind die schönen, gemütlichen Tage mit der Familie und Freunden.
Da wir wegen den vorgezogenen Weihnachten den Christbaum schon eine Woche früher gestellt hatten, wurde es nun langsam Zeit ihn wieder aus der Stube zu verbannen. Und da der Wetterbericht für heute eine Sturmwarnung durchgegeben hat, haben wir gestern auch gleich die Aussendeko entfernt. Nun steht unser Haus wieder nackt da. Doch bald ist ja wieder die Fasnachtsdeko an der Reihe. Bin schon gespannt, was sich mein Mann diesmal einfallen lässt um meinen PC zu dekorieren.
Apropos PC. Bevor Peter nach Vancouver flog, hat er uns auf meinem PC Skype eingerichtet. Nun können wir ihn beim Telefonieren live sehen. Ist schon eine tolle Sache.
Heute Nachmittag bekomme ich Besuch von der Firma Activkommunication. Von ihnen habe ich mein Sprach- und Umfeldgerät namens Tobii bezogen. In letzter Zeit hat das Gerät oder ich als Anwender eine Macke. Dem wollen wir heute auf den Grund gehen.

9.01.12  Montag
Da sich die Sonne schon seit längerem nicht mehr gezeigt hat, bin ich sie am Sonntag suchen gegangen. Mein Mann und ich sind am Morgen Richtung Süden aufgebrochen.  In den Tälern links und rechts der Autobahn lag sehr viel Schnee. Und auf der Nordseite und Südseite des Gotthard schneite es immer noch. Doch je weiter wir gegen Süden fuhren, desto besser wurde das Wetter. Die Wolken lösten sich immer mehr auf und der Himmel wurde immer blauer. Und endlich erscheint die Sonne. Herrlich wie sie ihre bereits frühlingshaft, warmen Strahlen auf uns herunter streckt. Auf der Fahrt ins Versasca-Tal steht das Thermometer bereits bei 11°. Wir fahren an uralten, kleinen Steinhäusern mit Steindächern vorbei. Einige davon wurden zu Ferienhäusern umgebaut. Die Häuser wurden so renoviert, dass ihr Charme erhalten blieb und sie sich gekonnt ins Landschaftsbild einfügen. Da das Wetter so wunderbar war, entschlossen wir uns, noch nach Locarno zu fahren um am Seeufer zu flanieren. Später liessen wir uns auf einem Bänkchen nieder und unsere Körper wurden wie Röntgenstrahlen von der  Sonne durchströmt. Es dauerte nicht lange und unsere Gesichter bekamen eine gesunde Rötung. Irgendwann mussten wir ans Heimfahren denken. Doch was wäre ein Tessin-Besuch ohne Cappuccino. Also suchten wir uns zum Abschluss ein Strassenkaffee in der Sonne und genossen diesen mit Schaum und Schoggipulver verzierten Kaffee. Dieser Ausflug hat uns gut getan und hat bei uns die Vorfreude an den Frühling geweckt.

Rita vor Palmen in Locarrno









Aus dem Fotoalbum

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir einen spontanen Trip unternehmen. Tessin, wir kommen wieder.
Anscheinend wollte mir die Sonne heute Morgen mit ihrer Anwesenheit eine Freude machen und meine Frühlingsgefühle verlängern. Angesteckt von der Sonne habe ich mich kurzerhand entschlossen am Nachmittag zum Frisör zu gehen. Und nun sitze ich bereits wieder vor dem PC, trinke meinen Kaffee und erfreue mich an meiner Kurzhaar-Frisur.

10.01.12  Dienstag
So ein traumhaftes  Winterwetter wie heute gibt’s nicht oft. Da muss doch jedem Schneesportler das Herz höher schlagen. In den Bergen liegt massenhaft Schnee, es weht kaum ein Lüftchen und die Temperaturen sind angenehm mild. Wer jetzt nicht auf der Piste steht, ist selber schuld. Mein Sohn wird sich grün und blau ärgern, dass gerade in dem Jahr so viel Schnee in den Bergen liegt, in dem er sich in Kanada aufhält. Zum Glück muss er nicht ganz aufs Skifahren verzichten. Schliesslich befindet sich in seiner Nähe der berühmte Skiort Whistler Mountain. Den hat er auch schon zweimal aufgesucht. So sind sie halt, die angefressenen Sportler. Mir soll‘s Recht sein. Bewegung an der frischen Luft ist ja bekanntlich gesund.
Bei uns im Tal unten liegt kein Schnee mehr und Draussen ist es trocken. Wahrscheinlich werden deshalb meine Maisen Knödel und das bereitgestellte Vogelfutter kaum angerührt. Die  Vögel finden anscheinend noch genügend  Futter in  der Natur. Seit geraumer Zeit stelle ich fest, dass diesen Winter viel weniger  Vögel zu sehen sind als sonst. Heute wollte ich dem ganzen Mal auf den Grund gehen und habe im Internet gegoogelt. Und prompt bin ich auf einen interessanten Artikel in der Sonntags-Zeitung gestossen. Den möchte ich euch nicht vorenthalten.
Weniger gefiederte Wintergäste wegen warmen Wetters in der Schweiz
Vielleicht halten sie sich aber auch nur einfach im Tessin auf um früher mit dem turteln anfangen zu können.

Zwei Spatzen sitzend auf einer Palme














Das würde ich ja auch machen, wenn ich Vogel wäre.

11.01.12  Mittwoch
Rosen wollt ich dir heut schenken, doch sie gar so schnell verwelken.
Darum werd ich dir heut schenken, eine Rose die nie verwelke.

Da du kürzlich erwähnt hast, dass ich wieder mehr rockige Musik in meine HP integrieren soll, so will ich es auch gleich umsetzen. Schliesslich wird in unserer Familie vorwiegend Rock, Blues und auch härtere Musik gehört.
Gotthard - Higher

13.01.12  Freitag
Als mir die Spitex  heute Morgen  mitteilte, dass es draussen schneien würde, wollte ich es ihr gar nicht glauben. Also öffnete sie mir die Storen um es mir zu beweisen. Und tatsächlich, die Hausdächer sind wieder weiss und die Landschaft ist mit einem weissen Flaum überzogen. Was für ein wechselhaftes Wetter, was für eine interessante Zeit.
Da momentan die kleinen Vögel wegbleiben, machen sich seit dieser Woche die Bergdohlen über meine Meisen-Knödel her. Ich kann sie aus einer Distanz von einem Meter beobachten. Wenn sie auf dem Fenstersims stehen sind sie genau auf meiner Augenhöhe. Sie zu beobachten ist sehr interessant. Ihr schwarzes Gefieder hat einen wunderschönen Glanz. Mit ihren vollständig schwarzen Knopfaugen spähen sie hin und her und sind daher immer auf der Hut. Bei einigen Bergdohlen ist mir aufgefallen, dass die Schnabelspitzen schwarze Streifen aufweisen. Ob sie wohl am Morgen das „Zähne putzen“ ausgelassen haben?
Als mein Mann am Dienstagmittag nach Hause kam, sagte er zu mir, er hätte soeben gesehen, wie meine Besucher die Bergdohlen weg geflogen seien.  Er wisse auch warum sie sich so nahe an mich heran trauten. Das läge sicher an meinen dunkel gefärbten Haaren. Die Vögel würden wohl meinen, ich sei eine von ihnen. Was sollte ich da noch erwidern? Schliesslich ist das ein Kompliment für mich. Sollte ich nämlich noch mal auf die Welt dürfen, so möchte ich ein Lebewesen sein, welches fliegen kann. Und diese Flügel werde ich mir dann durch nichts mehr wegnehmen lassen.
Lynyrd Skynyrd - Free Bird

14.01.12  Samstag
Ich wohne in einem älteren Wohnquartier. Das Quartier wurde vorwiegend durch Fabrikarbeiter aufgebaut und von dessen Familien bewohnt. Inzwischen sind die meisten Männer dieser Generation gestorben. Die Witfrauen hingegen hielten sich noch lange Jahre tapfer auf den Beinen. Ich sah sie, wie sie den Dorfladen aufsuchten. Oder wenn sie an „meiner“ Strassenkreuzung mit andern ein Schwätzchen hielten. In den letzten Jahren hat sich auch ein Witwenfrauengrüppchen gebildet, welches zusammen Spaziergänge unternahm oder sich im Restaurant zu einem Kaffee traf. Doch seit dem letzten Jahr hat sich etwas geändert. Immer mehr dieser Frauen wurden gebrechlich und waren auf Hilfe angewiesen. So blieb es auch nicht aus, dass immer mehr von meinen lieben Nachbarsfrauen in ein Alters- und Pflegeheim umziehen mussten. Ihre Häuser, ihre Wohnungen werden zwar wieder bewohnt. Doch es braucht Jahre, bis die Bewohner wieder so zusammen wachsen, um ihre eigene Geschichte schreiben zu können.
Und auch dieses Jahr wird höchstwahrscheinlich wieder eine Frau das Quartier verlassen. Meiner lieben Nachbarin wird es langsam zu viel, sich um das Haus und die Umgebung zu kümmern. Mit ihren über 80 Jahren hat sie letztes Jahr noch immer selber den Rasen gemäht und die ganze Umgebung in Schuss gehalten. Sogar ihre Wildblumenwiese hat sie eigenständig 2 -3 Mal im Jahr mit der Sense geschnitten. Eine echte Powerfrau. Ich mag es ihr ja gönnen, nicht mehr so viel arbeiten zu müssen. Doch ich verliere sie nur ungern. Sie ist mir in den letzten Jahren, doch sehr ans Herz gewachsen. Aber so ist er wohl, der Lauf der Zeit.

15.01.12  Sonntag
Gestern haben wir wieder mal mit Peter in Kanada skyped. Wegen der neunstündigen Zeitverschiebung müssen wir diese Anrufe an einem Wochenende tätigen. Es geht ihm in der Ferne sehr gut. In der Schule kommt er gut mit und seine Klasse hat einen guten Zusammenhalt. Vancouver gefällt ihm sehr gut. Dort werde es niemandem langweilig. Es sei immer was los. Und da es gleich mehrere Skigebiete in der Nähe gibt, kommt auch der Sport nicht zu kurz. An das Essen hat er sich auch gewöhnt. Das Angebot an Asien-Foot sei gross. Er esse es fast täglich. Soll ja auch gesund sein. Doch heute will er mal ein Restaurant suchen in dem er mal wieder so richtig gute Pasta essen könne. Es gibt schon Sachen, welche er vermisst. Zuoberst steht  der Alpkäse. Wir werden ihm deshalb ein Päckchen schicken. Wir wissen aber noch nicht, ob Käse nach Kanada zu schicken erlaubt ist. Muss mich zuerst mal erkundigen.
Ich habe dem Junior ein Foto geklaut. Es zeigt Vancouver bei Nacht.

Die Lichter von Vancouver bei Nacht

Ist halt schon ein bisschen grösser, als unser kleines Quartier mit den 2 – 3 stöckigen Häuser.

18.01.12  Mittwoch
Diese Woche fällt es mir schwer, mich zu beschäftigen. Ich glaube, ich habe eine Art Höhlenkoller. Da können auch Besucher keine Abhilfe schaffen. Ich habe das Gefühl von eingesperrt sein. Das Wetter zeigt sich zwar von seiner schönen Seite. Doch für mich ist es Draussen viel zu kalt. Langsam aber sicher sehne ich den Frühling herbei. Ich vermisse meine Rolliausfahrten. Ich vermisse meine Blumen mit den verschiedenen Düften. Ich vermisse meine Tiere mit ihren Lauten. Ich vermisse die Sonne, die meinen Körper wärmt. Ich vermisse den Wind, der mir die Haare zerzaust. Ich vermisse das entdecken, das Sehen, das Hören, das Riechen und das Fühlen. Ich vermisse meine Freiheit. Ich vermisse die Welt.
Aber zum Glück gibt es die Musik. Sie stillt ein wenig meine Sehnsucht.
Celtic Music - Wild Flower

19.01.12  Donnerstag
Viele kennen mich nur mit einem Lächeln im Gesicht. Meistens stimmt dies ja auch mit meinem Innersten überein. Ich bin die meiste Zeit glücklich und zufrieden. Doch manchmal kann ich nicht mehr lachen. Dann, wenn eine tiefe Traurigkeit mein Innerstes erfüllt. Die Gedanken kreisen um all jene Dinge, die ich wegen meiner Krankheit aufgeben musste und verloren habe. Ich möchte noch so vieles machen und sehen. Ich möchte so vieles bewegen. Doch dann sehe ich meine Beine und Füsse die in klobigen Schuhen stecken, weil die verdrehten Spitzfüsse nicht in grazile Pumps passen. Ich sehe meine Finger, die sich unter die Hand rollen und daher ein schöner Nagellack gar keinen Sinn macht. Ich schaue in den Spiegel und sehe wie sich meine Mundwinkel immer mehr nach unten neigen. Das geschieht, weil ich die Lippen wegen dem Speichelflusses vorwiegend geschlossen halten muss. Und dann die Stimme, sie sollte doch weich und fraulich klingen. Doch meine erinnert eher an einen lallenden Alki. Was bleibt denn da noch schönes übrig. Ja ich weiss, man sagt die Schönheit entsteht im Innern. Doch was mach ich, wenn es auch im Innern dunkel wird. Da kann auch das Äussere nicht mehr strahlen. Manchmal kommen einem schon Gedanken, ob es noch Sinn macht hier zu bleiben. Ich frag mich dann, ist für mich mein Leben mit all den Behinderungen noch lebenswert. Bin ich für mein Umfeld nicht eine zu grosse Belastung? Solche Momente mit Tiefpunkt sind bei mir bis jetzt nur von kurzer Dauer. Ansonsten kann ich mir immer noch die lachende Maske überziehen. Merkt ja keiner.
Bis jetzt habe ich immer wieder aus den Tiefen herausgefunden. Und ich habe immer wieder neue Lust aufs Leben.
Unheilig - Dein Clown

20.01.12  Freitag
Hurra, Hurra es bewegt sich was. Die Welt ist erwacht und meldet sich mit Regen und Sturm zurück. Der Wind peitscht die schweren Regentropfen an meine Fensterscheiben. Einige verharren still und leise an der Scheibe als wollten sie eine Weile zu mir hereinschauen. Andere, wahrscheinlich die grösseren und mutigeren, machen sich einen Spass daraus, an meinen Scheiben herunter zu rutschen. Ich kann mir vorstellen, was für ein Gaudi sie dabei haben. Ab und zu mischen sich nun auch Schneeflöckchen unter den Regen. Ich frage mich, ob die Schneeflocken leichter sind als die Regentropfen. Ich konnte nämlich soeben beobachten, wie die Schneeflocken mit den Windböen ziehen. Die Richtung der Regentropfen wird zwar ebenfalls vom Wind beeinflusst. Doch Sie fallen viel schneller zu Boden. Daher meine Vermutung wegen des Gewichtsunterschiedes.
Heute trauen sich nicht mal die Alpendohlen aus dem Wald. Wahrscheinlich ist es ihnen zu windig. Auf alle Fälle hat heute noch niemand an meinen Meisen-Knödel gepickt. Dafür konnte ich vorige Woche einen Vogel beobachten, der am Stamm der Linde hoch gelaufen ist. Ja, von unten nach oben. Ich wollte natürlich sofort wissen welcher Vogel mir ein solches Schauspiel vorführt. Im Internet fand ich die Antwort. Es handelt sich bei diesem Vogel, wie könnte es auch anders sein, um einen Baumläufer. Es war sehr interessant ihm zuzuschauen.
Das sind Dinge die mich glücklich machen. Ich brauche nicht täglich Sonnenschein. Ich habe auch Freude an Regen und Schnee. Ich liebe die Abwechslung und Action. Jetzt hab ich sie, jetzt bin ich glücklich.

21.01.12  Samstag
Einige meiner Leser waren ab meinen letzten Beiträgen sicher überrascht und konnten es nicht recht einordnen. Das verstehe ich auch. Normalerweise erwähne ich es auch nicht, wenn es mir Psychisch nicht so gut geht. Zumal dies selten vorkommt und dann auch nur von kurzer Dauer ist. Ich dachte, es wäre nur fair, meinen ALS-Betroffenen Leser mitzuteilen, dass auch ich meine Höhen und Tiefen habe. Auch ich stecke diese Krankheit nicht so einfach weg. Manchmal gelingt es besser und manchmal muss man den Gefühlen einfach seinen Lauf lassen. Dafür müssen wir uns auch nicht schämen oder uns als Schwächlinge füllen. Solange wir immer wieder die Kräfte bündeln um dieser Krankheit so lange wie möglich die Stirn zu bieten, gibt es noch einen Funken Hoffnung. Und wenn es uns gelingt, sich an dem wenigem das uns das Leben noch gewährt, zu erfreuen, dann finden wir immer wieder aus den Tiefen.
Ich weiss, bei vielen von euch Betroffenen schreitet die Krankheit viel schneller vorwärts als bei mir. Ihr kämpft nicht nur mit der Psyche, nein bei einigen von euch geht’s ums tägliche Überleben. Da scheint mir meine „Unbeweglichkeit“ ein Honigschlecken zu sein. Einige von euch müssen den Schleim absaugen lassen um nicht daran zu ersticken. Einige von euch bekommen zu wenig Luft und müsst daher ein Beatmungsgerät benutzen. Einige von euch können nicht mehr richtig schlucken und ihr müsst Nahrungsbreie, Flüssigkeiten und Medikamente mittels Schlauch, welcher von aussen durch die Magendecke direkt in den Magen führt (PEG-Sonde), aufnehmen. Leider ist der Schlauch zu schmal um ein feines Schnitzel durchzubringen oder einen der Saison entsprechenden Mandarinenschnitz. Ihr müsst auf so vieles verzichten und ihr könntet mir/uns noch vieles mehr aufzählen. Für mich seid ihr die Grössten. In meinem Herzen seit ihr meine Schwestern und Brüder. Darum habe ich für euch auch einen Song ausgesucht.
Christina Stürmer - Rebellen der Sonne

Und wer auch noch zu den Grössten gehört, ist unser Didier Cuche.

Cuche auf dem Siegerpodest















©Reuters-Blick

Der absolute Triumph des Hahnenkamm-Königs: Didier Cuche gewinnt bei seinem letzten Auftritt auf der Streif die Abfahrt von Kitzbühel!

24.01.12  Dienstag
Es ist unglaublich. Als ich um 8.00 Uhr aufstand, hat es mehr geregnet als geschneit. Und nun, eine Stunde später ist bereits alles weiss. Riesige Schneeflocken fallen vom Himmel. Was ihren Weg kreuzt wird von ihnen in Beschlag genommen. Was vorher grün war ist nun weiss. Was vorher braun war ist nun weiss. Sogar die Menschen sind heute alle gleich angezogen, nämlich weiss.  Ich höre nicht mal eine einzige Vogelstimme. Sogar die Flamme meiner  Kerze bewegt sich kaum.
Die Autos auf der Strasse haben einen Gang zurückgeschaltet. Einige bekunden bereits Mühe, die Steigung hoch zu kommen. Vor allem Lieferwagen werden gefordert.  Ich denke, jetzt müssten bald mal der Pflug und der Streuwagen anrücken. Und wer sagt es? Er fährt gerade vorbei. Zum Glück waren die Strassenverhältnisse vor einem Monat besser. Damals brachten wir unseren Sohn zum Flughafen. Jetzt ist schon 1/3 seines Sprachaufenthaltes in Vancouver vorüber. Wenn er von dem vielen Schnee hört, welcher in den Urner-Bergen liegt, überkommt ihn sicher ein wenig Wehmut. Zum Glück gibt es in Canada auch super Skigebiete. So muss er nicht ganz aufs Skifahren verzichten.
So, nun muss ich vorerst Schluss machen. Habe gleich 1 Stunde lang Physiotherapie.

So schnell kann es gehen. Der Talboden ist im Laufe des Nachmittags wieder bunt geworden. Der Regen hat die weisse Pracht wieder fast vollständig aufgelöst.Trotzdem hat das kurze Schneegastspiel ausgereicht, dass mich die Alpendohlen auf meinem Fenstersims besuchen kamen. Manchmal stritten sie sich zu viert um die Maisen-Knödel. Wie wohl mein Fenstersims aussieht? Aber egal, die Vögel so hautnah beobachten zu können, macht den Kot allemal wett. Mal schauen, wer mich Morgen besuchen kommt.

27.01.11  Freitag
Einige würden behaupten, ich sei diese Woche wieder mal Kopflos Rollstuhl gefahren. Doch dies stimmt so nicht. Im Gegenteil, jemand anderes hat den Kopf verloren. Bei diesem Malheur hätte ich nämlich mit dem Rolli kippen können. Der Übeltäter konnte erst entlarvt werden, nachdem plötzlich eine der Nabenabdeckung von einem der Rollstuhlhinterräder ab fiel. Als mein Mann der Sache auf den Grund ging, fand er die kopflose Radschraube. Wann die Schraube ihren Kopf verloren hat weiss niemand. Der Kopf war nämlich nicht mehr auffindbar. Zum Glück ist mein Mann handwerklich versiert, somit kann ich jetzt auch wieder mit Köpfchen herum kurven.
Ich habe ja schon letztes Jahr bemerkt, dass sich bei meinem 7 jährigen Rolli Ermüdungs- Erscheinungen zeigen. Darum habe ich letztes Jahr damit begonnen, neue Rollis auszuprobieren. Ich will jetzt noch 1 - 2 Modelle testen und werde mich danach entscheiden. Danach muss ich den Rolli der IV unterbreiten zwecks Kostenübernahme. Es wird immer schwieriger Hilfsmittel bewilligt zu bekommen. Man will, dass die IV auf Biegen und Brechen spart. Ich bin gespannt, ob ich dann den für mich passenden Rollstuhl bewilligt bekomme. Ich bin jedoch zuversichtlich.

Noch was: Wisst ihr was der Unterschied zwischen dem Yeti und einem schönen und intelligenten Mann ist?
Den Yeti hat man zumindest schon einmal gesichtet.   Hahaha

30.01.12  Montag
Sie fliegen wieder die Alpendohlen. Auf der Suche nach etwas essbarem überfliegen sie unser Dorf. Sobald sie etwas entdecken, stechen sie herunter und versuchen den Leckerbissen vor den andern zu erwischen. Man kann gut beobachten, wie die Vögel versuchen einander die Beute abzujagen. Das geht nicht ohne Gekrächze von statten.
Gestern als wir uns auf dem Weg nach St. Moritz befanden begegneten uns ebenfalls Alpendohlen. Mit Erstaunen konnte ich beobachten, wie eine Schar Alpendohlen auf ein Haus zuflog und sich mit den Füssen an die Hauswand klammert. Das konnte ich bei den Alpendohlen  sonst noch nie beobachten. Normalerweise landen sie auf Dächern, Bäumen und Boden. Ich kann mir das nur so erklären, dass es für sie einfach nirgends sonst eine schneefreie Landefläche gab. Es liegt tatsächlich viel Schnee. Alle Häuser tragen eine Art weisse Schlafmützen auf dem Kopf und die Landschaften sehen aus, als wenn sie mit frischer Schlagsahne überzogen wären. Dazu glitzert der Schnee in der Sonne als wäre obendrauf noch ein wenig Kristallzucker verstreut worden.  Als uns dann noch eine offene Pferdekutsche begegnete, bei der die Sitzbänke mit Schaffellen ausgekleidet waren, füllte ich mich wie in einem Märchen. Und das ist noch nicht alles. Plötzlich sahen wir mitten im Schnee eine weisse Zeltstadt. Zuerst dachten wir die Zelte seien sicher wegen dem  Frauen Ski-Weltcuprennen, welches diesen Sonntag in St. Moritz stattfand. Doch die Zelte entpuppten sich als VIP-Zelte für das Pferderennen welches am kommenden Wochenende stattfindet. Und ohne Zobel oder Nerz würden wir dord sowieso nicht herein gelassen.
Uns war es sowieso lieber, unser mitgenommenes Picknick an der frischen Luft, in einer traumhaft verschneiten Landschaft und strahlendem Sonnenschein einzunehmen.
Es war ein wunderschöner Sonntags-Ausflug.
Und da bei uns nie Musik fehlen darf, haben wir auf dem Nachhause weg so richtig gesoundet.
Brad Paisley - "Camouflage"

31.01.12  Dienstag
Im vergangenen Monat wurde mein Hirn wieder mal richtig gefordert. Ich musste mich mit Verordnungen und Bestimmungen von Versicherungen und Behörden befassen. Ich musste mich erkundigen wer für was zuständig ist, bei einer pflegebedürftige Person wie ich es bin. Im Jahr 2011 wurde im Kt.Uri, wie in den meisten andern Kantonen auch, die Finanzierung der Langzeitpflege neu geregelt. Im Kt.Uri wurde dies folgendermassen geregelt. Die Gemeinden sind für die Versorgung jener Patienten zuständig, welche in Heimen und Institutionen leben. Der Kanton wiederum für die Pflegebedürftigen, welche zu Hause leben. Die Regierung bekam die Möglichkeit, eine Kostenbeteiligung vom Pflegeempfänger zu verlangen. Sie kann zwischen 0% und 20% liegen. Der Kt.Uri hat sich zum Leidwesen der Patienten für die höchste Stufe von 20%  entschieden. Der Tageshöchstbeitrag der Beteiligung wurde auf  Fr. 15.95 begrenzt. Würde ich alle meine benötigten Pflegestunden an die Spitex übertragen, so müsste ich im Jahr eine Kostenbeteiligung von ca. Fr. 6000.— beisteuern.
Da ich meinen Mann bei meiner Pflege entlasten möchte, aber nicht bereit bin, mich im Monat von ca.18 verschiedenen Spitex-Mitarbeiterinnen Pflegen zu lassen, habe wir uns schon letztes Jahr über das Assistenzbeitrag der IV informiert. Ich musste mir zuerst über einiges Klar werde. Zum Beispiel, ob sich der Arbeitsaufwand überhaupt lohnt. Ich müsste selber Pflegepersonal suchen und Anstellungsgespräche und Lohnverhandlungen führen. Ich müsste Lohn- u. Versicherungsabrechnungen tätigen, wie alle anderen Arbeitgeber auch. Meine Bedenken gehen dahin, wer den Administrativen Part übernimmt, wenn ich dies einmal nicht mehr selber kann. Meinem Mann möchte ich dies nicht auf bürden. Dann wäre ja das Ziel verfehlt.
Ja es gab und gibt vieles zu überlegen. Es beschäftigte mich sogar im Schlaf. Dementsprechend waren auch meine Träume. Ihr kennt das sicher auch. Man will davon laufen aber man kommt einfach nicht vom Fleck. In meinem Traum war es letzthin eine gelbweisse Schlange die meinen Weg kreuzte. Die Schlange folgte mir auf dem Fuss und wurde dabei immer länger und Dicker. Ich bin dieser Schlange nur entkommen, in dem ich aufgewacht bin. Am andern Tag wusste ich, dass ich mich nun endlich entscheiden muss. Am 16. Januar habe ich dann auch den Antrag für das Assistenzbudget abgeschickt. Wenn ich alle Zahlen und Fakten von der IV bekomme habe, kann ich mich immer noch dafür oder dagegen entscheiden. Auf alle Fälle bin ich wieder viel gelassener. Es kommt mir vor, als hätte ich mich von einer schweren Last befreien können.