6.02.10 Halli, Hallo, ich bin wieder da. Ich habe lange nichts mehr
geschrieben. Die Wetterkapriolen haben meinem Kopf ganz schön zugesetzt. Seid
Sonntagabend findet in meinem Kopf ein Kampf statt. Die Kämpfer: Auf der linken
Gehirnhälfte befindet sich Kämpfer Schmerz. Auf der rechten Seite sein Gegner
Schmerzfrei. Sie liefern sich einen erbitternden Kampf. Wenn der Schmerzkämpfer
den Vorschlaghammer einsetzt bin ich für nichts zu gebrauchen. Dann liege ich
nur noch rum. Sobald aber der Schmerzfreikämpfer seine Medizin einsetzt, kann
ich mich wieder ein wenig meiner Arbeit widmen. Einmal gewinnt der Eine, mal
der Andere. Der Kampf zieht sich nun schon über 4 Tage hin. Endlich, heute
Donnerstagabend geht es in die entscheidende Runde. Der Schmerzkämpfer greift
an, Schmerzfrei wird in die hinterste Ecke gedrängt. Im letzten Moment greift
Schmerzfrei zum Mittel Föhn. Der Föhn bläst den Schmerzkämpfer aus dem Ring und
somit aus meinem Hirn. Das Gute hat wieder mal gewonnen.
Während dieser Zeit war ich aber nicht ganz untätig.
Ich habe Termine vereinbart, Abklärungen gemacht, natürlich
via E-Mail.
Terminvereinbarung: Am 10.02. bekomme ich endlich mein
Kommunikationsgerät mit integrierter Umweltkontrolle. Werde euch dann
berichten.
Das absolute Highlight der Woche war der Besuch von zwei
Herren vom Tiefbauamt Uri. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich betr.
Rollstuhlhindernisse auf Urner Strassen mit ihnen Kontakt aufgenommen habe. Ich
wurde von Ihnen über ihren Zuständigkeitsbereich informiert. Sie haben meine
Anliegen und Anregungen aufgenommen und mir gesagt, dass sie alles prüfen
würden. Sie haben ebenfalls erwähnt, dass Sie wieder vermehrt ein Augenmerk auf
hindernisfreies Bauen legen werden. Ich muss euch sagen, ich fühlte mich ernst
genommen. Meine Herren, danke vielmal.
Wisst ihr was mich auch noch beeindruckt hat? Bevor sie
gingen, wurde ich gefragt ob sie für mich noch etwas machen könnten. Ein Glas Wasser
holen oder sonst etwas. Es ist eine Kleinigkeit, aber gerade diese
Kleinigkeiten, bereichern unser Leben. Man, ist das Leben schön.
Wir wurden auch diese Woche wieder mit Süssem verwöhnt. Ich
stürzte mich auf die Urnerpastete und Piet auf die feinen Muffin mit
Ananasstückchen. Danke den Bäckerinnen.
Ürner Pastete mit Ürner Schwarzes
@ petertresch
7.02.10 Hab heute den Frühling gesehen. Wir waren kurz im Tessin. In
Airolo liegt zwar noch viel Schnee. Dank dem Nordföhn kletterte das Quecksilber
aber in Faido auf ca.14°. Die Sonne hat
schon gewaltig Kraft. In der Nähe von Locarno haben wir folgendes Bild
geschossen.
9.02.10
Heute beginnt in meiner Gemeinde die Fassnacht. Am Abend ist
Eintrommeln. Die Katzenmusik zieht ums Dorf. Darum hab ich mir für Heute etwas
vorgenommen. Ich will die Spitex verarschen. Als am Morgen die Spitex
in mein Zimmer kommt und nach meinem Befinden fragt, sag ich ihr ich müsse ihr
etwas sagen. „Wenn du nun meine Decke hochhebst darfst du nicht erschrecken.
Gestern ist etwas mit meinen Händen passiert. Sie sehen nicht so gut aus. Also
erschrick nicht.“ Vorsichtig hebt Sie die Decke um diese gleich wieder
lachend fallen zu lassen. An beiden Händen trage ich riesiggrosse Gummifinger a
la Frankenstein. Piet hat sie mir am Morgen angezogen. Strafe muss sein. Die Spidi hat nämlich von Heute an Fassnachtsferien. Und ausserdem, ein
bisschen Spass soll erlaubt sein.
Früher war ich in der Katzenmusikgesellschaft und hab selber
mitgetrommelt. Ich war gerne ein Maskerad. Die meisten Kostüme habe ich damals
selber geschneidert. Ich finde, einmal im Jahr darf man ruhig spinnen.
Ausserdem habe ich mich an der Fassnacht vor 32 Jahren am FEMU-Ball in meinen
Mann verliebt.
Nun hoffe ich, Väterchen Frost ist ein wenig gnädig mit den
Fassnächtlern.
15.02.10
Hallo meine lieben Freunde. Ich bin wieder einigermassen auf
dem Damm. Nun hole ich den Valentinstag nach und sage Euch vielmals danke für
die E-Mail, Gästebucheinträge, die Grüsse und lieben Worte, für die schönen
Gesten und für euer Lächeln das ihr mir das ganze Jahr zukommen lasst. Ich
danke euch vielmal.
Soeben ist unser Kinderfasnachtsumzug in der Nähe unseres
Hauses vorbei marschiert. Ich würde gerne teilnehmen. Aber obwohl die Sonne
wunderschön vom Himmel lächelt darf ich nicht ins Freie. Die Erkältung, die
mich am Mittwochabend beim Ytrommeln in Altdorf eingefangen hat, lässt mich
immer noch nicht ganz los. Dabei füttere ich sie wacker mit Nasenspray, Vicks,
Tee und Wärme. Ich glaube langsam, der Erkältung gefällt es bei mir. Muss mir
wohl noch was überlegen.
Früher hat uns unsere Mutter immer für den Kinderumzug
Gwändli (Kostüme) genäht. Nach dem
Umzug erhielten alle teilnehmenden Kinder ein Säckli. Darin befand sich eine
Orange, ein Mutschli (Brötchen) und
eine Servelat. Danach fand im Restaurant Krone der Kinderball statt. Am Abend
durften dann auch die Erwachsenen das Tanzbein schwingen. Aus Platzgründen
findet dieser Anlass inzwischen in der Mehrzweckhalle statt. Dieses Jahr findet
zusätzlich ein Scheesälirännä (originell
gestaltete Kinderwagen) statt. Wäre sicher lustig. Freue ich mich halt aufs
nächste Jahr.
Hier ein Foto von Früher. Einige meiner
Geschwister mit mir und zwei Cousin auf der Treppe bei der Grossmutter.
16.02.10
Kalt und dunkel ist es Draussen Leiser Wind durch
Lüfte wandelt Tönen nun von Ferne her
Schwere Schritte immer mehr
Trommelwirbel in den Gassen
Schwarze Männer, grimmige Masken
Schweres auf ihren Schultern lastet
Schreiten sie dem Galgen zu
Aufgeknüpft am Seile hangend
Er dann gleich auch Feuer fange
Trommelwirbel immer schneller
Lichterloh er nun auch brenne
Heller Schein und ein Geknalle
Explodiert am Fasnachtsgalgen
Trommelwirbel nun
verstumme
Fort nun sei der Lumpengeselle
by ritatresch
17.02.10 Am Morgen ist meine Nase immer noch verstopft. Beim
anschliessenden Nasenputzen kommt soviel Ware runter, dass ich mich fragen
muss, wo das Alles herkommt. Ich kann
nur hoffen, dass keine Hirnmasse dabei ist. Das wäre gar nicht gut. Mein Hirn
ist nämlich eines der wenigen Dinge, die bei mir noch normal funktionieren. Da
meine Lunge nur noch etwa 50 % ihrer früheren Kapazität besitzt, muss versucht
werden meine Atemwege möglichst freizuhalten. Darum werde ich von der Spitex
reichlich mit Vicks an Rücken, Brust und Hals eingerieben. Am Mittagstisch
erzähle ich Piet von meinen Befürchtungen apropos Hirn. Er meinte dann nur
gelassen. Bei dickflüssiger Masse könne es nicht Hirnmasse sein. Bei mir würde
in diesem Fall lediglich Wasser kommen. Was soll ich da noch sagen?
Meine Eltern besuchen mich am Nachmittag. Wir diskutieren
über die Olympiade. Mein Vater beschreibt uns die Gegend von Vancouver und
Umgebung. Er war vor Jahren mit meiner Schwester Doris in Kanada unterwegs.
Später schaut noch meine Schwester Bernadette vorbei. Wir haben es recht
gemütlich bis ein Kuchenbrosmen (krümel)
bei mir einen Hustenanfall auslöst. Für mich bedeutet das; Erhöhte
Speichelbildung, Brechreiz und somit Atemnot. Für meine Besucher bedeutet das;
Erschrecken, Hilflosigkeit und Unsicherheit was zu tun ist. Für Jemanden der
das zum erstenmal miterlebt ist es sicher nicht angenehm, mit anzusehen wie ich
versuche meine Atemwege freizubekommen. Ich huste dann, es läuft Speichel aus
dem Mund, manchmal fängt die Nase an zu laufen, die Augen tränen und manchmal
muss ich brechen. Der Spuck dauert meistens nicht lange. Piet hat mir einmal
gesagt, ich schaue ihn jeweils mit grossen flehenden Augen an mir zu helfen. Ich
habe auch nie Angst vor dem nächsten Mal. Ich sage mir, es reicht Angst zu
haben, wenn es wieder soweit ist. Schwesterchen du hast es Super gemacht.
Sorry Piet, dass ich dir den Schnupfen angesteckt habe.
19.02.10 Gestern habe ich den ganzen Nachmittag geschlafen. Die
Putzfrau hat um mich herum geputzt, ich habe nichts mitbekommen. Ich liebe ja
alle Jahreszeiten, aber Heuer scheint mir der Winter gar artig lang zu sein.
Sollte der nächste Winter wieder so lange dauern, werde ich mir eine Höhle
suchen, um einen Winterschlaf abzuhalten. Hamsterbacken besitze ich nämlich
schon.
Obwohl Piet auch erkältet ist, liess er es sich nicht
nehmen, die Swiss Performance (Töffausstellung) in Zürich zu besuchen. Mein
Mann liebäugelt nämlich mit einer schnelleren Maschine. Grrrr….
Heute muss Peter für mich sorgen. Für Piet ist es sicher eine
Entlastung, zu Wissen, dass ich gut Versorgt werde. Somit kann er sich auch mal
einen Tag gönnen.
Ich hab noch etwas Wunderschönes zu berichten. Eine meiner
Nichten hat meine Eltern zum ersten Mal zu Urgrosseltern gemacht. Herzlich
willkommen in unserer Familie Kleine Giulia.
Habe auf der HP das Thema Musik aufgeschaltet
20.02.10Samstag Mit Nasenspray in allen 4 Nasenlöchern, mit einem Liter Tee
und mit der von Peter gemachten Ankensuppe machen Piet und ich uns für den
Abend fit. Jeder von uns hat heute Abend etwas vor. Im Muothatal spielt die
Rockband Rhino Bucket. Piet wurde von einem Freund zu diesem Konzert eingeladen.
Und ich habe für heute Abend ein Schwesterntreffen organisiert. Zuerst treffen
wir uns bei mir zu Hause zum Apero. Danach gehen wir in die Burg zum
Nachtessen. Als wir den Treppenlift betätigen wollen, funktioniert er nicht.
Nicht verzagen, Leute fragen. Mit vereinten Kräften werde ich die Treppen
hinauf gezogen. Endlich können wir an unserem Tisch platz nehmen. Nun beginnt
der gemütliche Teil. Was ist wenn 5 Frauen die Arme weit von sich strecken um
die Speisekarte lesen zu können. Sind sie etwa zu eitel ihre Lesebrillen aufzusetzen.
Wenn man aber trotz Brille nichts auf dem Handydisplay erkennen kann, muss es
nicht unbedingt an den Augen liegen. Vielleicht sollte man das Handy einfach
zuerst einschalten, gell Hedy. Plötzlich liegen Lippenstifte, Kugelschreiber
und Pillendöschen auf dem Tisch. Nun werden Schminktipps ausgetauscht, Farben
analisiert, Kugelschreiber getestet und über die Einnahme von Medikamenten
gefachsimpelt. Zwischendurch wird die
Vorspeise, der Hauptgang und obwohl wir eigentlich satt sind, ein Dessert
serviert. Obwohl wir keinen Schluck Alkohol trinken, erzählt Hedy plötzlich von
Pflanzen die angeblich die Blauzungenkrankheit haben. War etwa im Coup-Burg
doch Alk drin? Oder hat dich der rosa-, braune-, violette-, Lippenstift so
verwirrt? Zum Kaffee gehen wir wieder zu mir nach Hause. Weil der Lift immer noch
nicht funktioniert, muss halt der Burg-Hansi helfen mich runter zu tragen.
Zuhause fallen wir über unsere Kindheit her. Lachen mussten wir, als wir uns
bildlich vorstellten, wie Bernadette und Marie-Theres aussahen als sie sich pahbä
(direkt) an der Stirn die Fransen abschnitten. Doris beklagt sich bei Hedy, sie
habe ihr die Stirnfranseln zum ersten Schultag so furchtbar geschnitten, dass sie
sich geschämt habe. Aber du hast das damals sicher mit deinen süssen Bäckchen
wettgemacht, gell Mügerli. Ich muss noch zwei Suchmeldungen durchgeben.
Vermisst wird eine Puppe ca. 40 cm gross, mit langen, blonden Zöpfen und ein
offener, rosafarbiger Puppenwagen mit fehlendem Rad. Zum Glück habe ich meinen
Teddybär frühzeitig zu meinem Eigentum erklärt und ihn so vor fremdem Zugriff
gesichert. Ich habe diesen Heute noch. Ich finde es schön mit meinen Schwestern
über unsere Kindheit, unsere Leben zu berichten. Wir werden in keinen
Geschichtsbüchern vorkommen. Und trotzdem werden wir Geschichte schreiben. Es
ist nämlich unsere Geschichte. Es ist meine Geschichte.
Danke, es war ein schöner Abend.
Später kommt Piet nach Hause. Er ist heiser und sein Gehör
hat ein wenig gelitten. Auch für ihn war sein Abend ein voller Erfolg.
21.02.10Sonntag Piet und ich liegen um 4.00 Uhr noch wach. Wahrscheinlich
sind wir noch zu sehr aufgedreht. Nächstes Mal sollten wir es wie meine Eltern
machen. Nämlich aufstehen und zusammen ein Gläschen Champus trinken. Muss mir
das hinter die Ohren schreiben.
Dank dem Föhn ist Heute ein wunderschöner Tag. Die Sonne
scheint und die Temperaturen klettern auf +10°. Auf dem Foto unten seht ihr wie der Föhn
den Schnee auf den Berggipfeln verbläst.
Bälmeter und Schwarzgrad
by piettresch
23.02.10Dienstag Etwas Warmes kitzelt mich an der Nase. Nein, es ist keine
Hundeschnauze. Es ist ein Sonnenstrahl der vorwitzig durch eine Vorhanglitze blinzelt,
um mir guten Morgen zu sagen. Liebe Sonne, wie habe ich deine warmen Arme
vermisst. Ich freue mich so, wenn du bald Alle ausstreckst um mich damit zu
umschliessen. Bald werde ich wieder mit dir Ausflüge unternehmen. Ich weiss du
wirst für mich die Blumen zum blühen bringen. Ich habe Heute von unserem
Küchenfenster aus, bereits zwei gelbe Blümchen entdeckt. Für uns ALS’ler ist es
nämlich nicht selbstverständlich, dass wir den Winter unbeschadet überstehen. Manchmal
frage ich mich schon, ob ich wohl im nächsten Jahr auch wieder alle
Jahreszeiten miterleben darf. Wahrscheinlich wurde meine Naturverbunden dadurch
noch verstärkt, weil ich am eigenen Körper miterlebe, wie vergänglich alles ist.
Flora und Fauna sind zu meinen besten Seelentröstern geworden. Sie geben mir
Frieden und Kraft. Darum freue ich mich so, sie wieder begrüssen zu können. Das
Leben ist so wunderschön.
Der Winterling ist mit dem Schneeglöckchen zusammen die erste
Frühlingsblume, deren
Blüten oft schon im Januar zu beobachten sind.
24.02.10Mittwoch Am Nachmittag erhalte ich noch mal Besuch von der Firma activcommunication.
Wie ich euch schon mitgeteilt habe, muss ich mir ein
Kommunikatins-, Umfeldkontrollgerät zu legen. Ich habe mich für das Tobii C8 entschieden. Dies soll meine Kommunikation mittels Sprachausgabe unterstützen.
Auch kann ich alle Geräte die mittels einer Infrarotbedienung (TV, Hifi usw.)zu bedienen sind, mit dem
Gerät ansteuern. Ich kann SMS verschicken und kann damit sogar telefonieren. Ich
werde das Gerät vorwiegend mit einer Kopfmaus bedienen. Das heisst, ich trage
auf der Stirn einen reflektieren Punkt. Der Punkt wird mittels Kamera, die am
Gerät befestigt ist aufgefangen und umgewandelt. Heute werden noch Anpassungen
gemacht und Halterungen am Rollstuhl befestigt. Ich hoffe, ich kann das Gerät
bald auch im Freien testen. Bin gespannt, wie die Leute reagieren, wenn Sie von
einer Computerstimme angesprochen werden. Ich hoffe nur eins, dass das Gerät
meine Offroad-Touren mitmacht. Ich möchte euch allen danken, denn durch eure
Hilfe, kann mir die IV dieses Gerät zur Verfügung stellen. Somit bin ich
weniger auf Fremdhilfe angewiesen.
Tobii C8
25.02.10Donnerstag
Ich schlafe noch gemütlich. Plötzlich höre ich wie zwei-, dreimal
mein Name gerufen wird. Träume ich? Nun sagt eine Stimme vor meiner Zimmertür.
Rita, die Maler sind da. Können wir in den andern Zimmern anfangen die
Fensterbrüstungen zu streichen. Ich antworte ganz verschlafen mit einem Ja. Nun
warte ich auf die Spitex. Hoffentlich kommt sie bald. Ich möchte nämlich nicht
unbedingt, dass mir ein Maler ins Zimmer platzt. Die Morgentoilette fällte
Heute sehr kurz aus. Als wir nämlich ins Bad wollen, steht vor dem Fenster ein
Maler auf der Leiter. Also verziehen wir uns in das untere WC. Leider ist dort
die Toilettenschüssel tiefer. Die Spitex schafft es nicht, mich wieder hoch zu hieven.
Zum Glück ist meine Bügelfrau zur Stelle. Mit vereinten Kräften schaffen sie
es, mich aufzustellen. Bin ich froh. Wäre schön peinlich gewesen, die Maler um
Hilfe zu bitten. Spass hatten wir aber trotzdem dabei.
Kurz vor dem Mittag kommt mein Hausarzt für den Quick
vorbei. Seid der Lungenembolie wird mein Blut verdünnt und muss darum jeden
Monat kontrolliert werden. Durch diese Besuche hält er sich auch auf dem
laufendem, wie es um meine Gesundheit steht. Finde ich gut.
Mein Hausarzt ist ursprünglich ein Bündner. Als wir so über
die Olympiade fachsimpeln meint er, dass wieder ein Bündner die Kohlen für die
Schweiz aus dem Feuer holen musste. Ich finde, da muss er aufpassen. Waren es
nicht die Bündner, die anfänglich zu Uri gehören wollten. Weil wir sie aber
nicht hier haben wollten, mussten sie sich eine andere Gegend suchen. Sie
liessen sich ähnä (nach) am Oberalp nieder. Als die Rehe die Menschen kommen
sahen, seien diese so erschrocken, dass ihnen riesengrosse Hörner wuchsen. (by piet) Ich finde unsere Sportler machen ihre Sache gut.
26.02.10 Freitag Gestern Abend ging ich früh zu Bett. Ein leichtes Kopfweh
machte sich bemerkbar. Ist ja logisch. Der Föhn ist wieder mal im Anmarsch. Ich
liege also im Bett und schaue TV. Plötzlich wird der Föhn stärker. Er bläst
durch mein halb geöffnetes Fenster. Vor meiner Zimmertür tobt und heult es. Die
Türe rüttelt, als wolle jemand hinein kommen. Ein Luftzug zieht unter meinem
Bett durch und wackelt an meinem Bett. Ich komme mir vor wie in einem
Geisterfilm. Früher habe ich viele Romane gelesen, in denen Burgen, Schlösser
mit Verliesen und Geheimgängen vorkamen. Meistens war da auch von einem
Schlossgeist die rede. Ich fülle mich mitten in solch einer Geschichte. Es ist
ein wenig beängstigend und trotzdem irgendwie belustigend. Was alte Häuser so im
Petto haben. Irgendwann beginnt es zu regnen und der Föhn lässt nach.
Am Morgen müssen wir wieder pressieren. Ich kann den
Treppenlift nur bis 10.30 Uhr benutzen. Heute wird der Liftservice gemacht. Da
sieht man wieder, wie ich auf den Lift angewiesen bin. Zum Glück hat er mich
noch nie im Stich gelassen. Sonst müsste ich wohl auf dem Treppengeländer
hinunter sausen, wie das kleine Hippi-Gespenstli von Peter Reber.
27.02.10Samstag
Eigentlich möchte ich noch schlafen. Als Piet erwähnt, dass draussen
die Sonne scheint, gibt es für mich kein halten mehr. Ich bin schnell
angezogen. In der Küche wartet ein Macchiato und frische Gipfeli auf mich. Wer hat’s gemacht? Nein, nicht die
Schweizer. Es war der Piet. Danach werde ich in den Aussenrollstuhl verfrachtet
und es geht nach draussen. Oh, endlich wieder in der freien Natur. Ich
begutauge meine Umgebung. Ich treffe auf Winterlinge, Schneeglöckchen,
Geissenblümchen und einzelne Krokusse. Am Himmel zieht ein Milan seine Kreise. Ein
Spatzenweibchen baut in unserer Hecke bereits ein Nest. Die Bergdohlen sitzen
auf den Hausgibeln und hoch oben auf unserem Weidenstrauch singen Zilpzalpaus voller
Kehle. Ich fühle mich wunderbar. So müssen sich Tiere fühlen, nach ihrem
Winterschlaf. He, Frühling, wir sind da.
Am Nachmittag mache ich in Begleitung von Piet meinen ersten
Rolliausflug im 2010. Der erste Ausflug führt uns über den Hochenweg. Die
Strecke ist in gutem Zustand. Es war so schön. Welt du hast mich wieder.