März

3. Heute habe ich über mögliche Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung gelesen. Auch wir hatten unsere Impfreaktionen. Bei der 1. Impfung hatten wir die gleichen Reaktionen, wie bei der Grippeimpfung mit warmem und druckempfindlichem Oberarm. Diese Symptome haben sich genau eine Woche später nochmal bemerkbar gemacht. Dies zeigt, dass der Impfstoff arbeitet. Bei der 2. Impfung waren die Reaktionen etwas heftiger. Während sich meine Symptome auf starke Kopfschmerzen und Hitze im Körper beschränkte, legte es mein Mann im Folgetag mit Grippesymptomen flach. Nach einem Tag war aber alles wieder vorbei. Ich bin sehr froh, konnten wir uns Impfen lassen. Vielen Dank den Forschern, Impfstoffherstellern usw.. Ich hoffe, die alten Freiheiten können bald zurückkehren.
Letze Woche habe ich mit der Teilnahme an einer Studie, ebenfalls zur Forschung beigetragen. So lag ich innerhalb von 2 Jahren zum 4. Mal für 1 Stunde im Kernspintomographen. Mir ist das sehr wichtig, etwas für die ALS Forschung beizutragen.
Ich würde mich aber auch sofort für den Weltfrieden zur Verfügung stellen. Eine Krankenschwester, welche in einem Entwicklungsland im Einsatz steht, sagte letzte Woche im TV: "Schade gibt es keine Impfung gegen Kriege". Dafür hätte ich gerne auf meine Corona-Impfungen verzichtet. Wobei, es bräuchte nicht mal viele Impfdosen. Die Spritzen müssten einfach ganz bestimmten Personen verabreicht werden und Frieden könnte einkehren.
13. Sonnenstrahlen erreichen meine Bettdecke und mein Zimmer füllt sich in freundlichem Licht. Meine Augen schweifen durch den Raum und bleiben beim Fenster hängen. Schneebedeckte Berge, grüne Alpwiesen, blauer Himmel und zwei vorbeifliegende Möwen ergänzen meine Aussicht. Also, genug lange ausgeruht und geschont. Auf, das Leben ruft.
15. Schreibe bald wieder mehr. Heute muss aber nochmal Musik ran. Richard Clayderman - Ballade Pour Adeline​​​​​​​
16. Bin zwar immer noch nicht ganz auf der Höhe, will aber trotzdem einige Zeilen schreiben. Ich habe die Zeichen einer beginnenden Blasenentzündug falsch gedeutet und verhinderte somit, den Infekt im Kein zu ersticken. Da ich mir die Nebenwirkungen bei Einnahme von Antibiotika ersparen wollte, versuchte ich mit Tees und pflanzlichen Mitteln den Infekt zurückzudrängen. Nach einigen Tagen musste ich jedoch einsehen, dass dem Infekt und den damit verbundenen Schmerzen nur mehr mit Antibiotika beizukommen ist. Durch die Einnahme klang die Blasenentzündung auch rasch ab. Dafür bekam ich mit dem Magen mühe und der Brechreiz wurde verstärkt. Ich weiss jetzt, das ich in Zukunft auf eine nahende Blasenentzündung schneller reagieren muss. Mein Mann wäre sicher ebenso der Meinung. Musste er mich wegen Blasendrang, etliche Male des Nachts aus dem Bett und wieder ins Bett hieven. Ich bin noch immer etwas schlapp unterwegs. Wir werden Morgen mal die Sonne suchen. Sie wird mir meine Kraft zurückbringen.
17. ​​​​​​​Bilder vom heutigen Ausflug im Tessin
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20. Ich hatte gehofft, die Tessinersonne würde mir meine Kraft zurückbringen. Doch nun muss ich mich erneut schonen. Obwohl die Blasenentzündung abgeklungen ist, sind die Bauchschmerzen geblieben. Schon vor der Blasenentzündung machten mir immer wieder Bauchschmerzen zu schaffen. Nachdem ich am Mittwochabend wieder starke Schmerzen bekam und in der Nacht kaum schlafen konnte, kontaktierten wir am Morgen meinen Hausarzt. Er schickte mich zum Notfall ins Spital. Dort folgten Anamnese und diverse Untersuchung. So wurden das Blut und der Urin untersucht und Ultraschall gemacht. Ergebnis, mehrere grössere Gallensteine und Entzündung der Gallenblase. Für die Behandlung der Entzündung muss wieder Antibiotika eingesetzt werden. In den ersten zwei Tagen wird mir das Antibiotika und die Schmerzmittel flüssig über eine Vene verabreicht. Zuhause muss ich die Behandlung in Tablettenform weiterfahren. Wenn sich dann mal alles beruhigt hat, muss eine Operation ins Auge gefasst werden. Gallensteine können nur schwer zertrümmert oder aufgelöst werden und können immer wieder zu Schmerzen führen. Da ich noch keine Atemunterstützung benötige, ist es sicher sinnvoll, die OP möglichst bald zu machen. Die Medikamente machen mich müde. Deshalb agiere ich zurzeit etwas reduziert.
25. Die von der Gallenblasenendzündung verursachten Schmerzen sind verschwunden. Jetzt gilt es, die Nebenerscheinungen der Antibiotikaeinnahme auszukurieren. Ich denke, das wird in 2, 3 Tagen soweit sein. Es wird aber auch Zeit. Das wunderschöne Frühlingswetter ist ein mega Aufsteller für mich und zieht mich bereits wieder nach Draussen. So habe ich mir bereits eine rötliche Gesichtsfarbe eingefangen. 
28. Am Gewässer entlang mit der Rollicam.

APRIL

3. Es sind viele Sonnenstungen, die ich in den letzten Tagen im farbenfrohen Garten verbringen durfte. Das warme Wetter hat unsere kleinen Obstsäulenbäumchen zum blühen gebracht und den Bienen und Hummeln den Weg zum Nektar und zum bestäuben freigegeben. Auch die Eidechsen sind aus der Winterstarre erwacht und haben die alten, mit Moos bewachsen Mauern wieder in Besitz genommen. Die Vögel sind in pfeiflaune und fliegen in waghalsigen Kurven hintereinander her. So konnte ich beobachten, wie zwei von einer Dreiergruppe in eine Fensterscheibe flogen und benommen auf den Boden fielen. Bis sie wieder davon fliegen konnten, vergingen gute fünf Minuten. Währenddessen passten wir auf, dass keine Katzen in ihre Nähe kamen. Ich hatte auch noch anderen tierischen Besuch im Garten. So durfte Elly ein paar Stunden bei mir verbringen.
Die frühlingshaften Temperaturen lassen es auch wieder zu, weitere Rolliausfahrten zu unternehmen. Dabei treffe ich auf andere Rollstuhlfahrende, welche wie ich, im Winter kaum auf der Strasse anzutreffen sind. In unserem "kleinen" Kanton kennen sich die meisten Rollstuhlfahrenden. So freut es mich, wenn ich meine Rolli-Kollegen im Frühling gesund und munter wieder sehe. 

5. Wenn ich unterwegs bin und  angesprochen werde, wird es immer schwieriger, mich auf eine Unterhaltung einzulassen. Es ist schon frustrierend, nicht oder falsch verstanden zu werden. Meistens versuche ich es dann mit anderer Wortwahl ein 2. Mal. Bei manchen Wörtern fällt mir die Artikulierung etwas einfacher. Wenn man mein "gut" zur Frage; wie es mir geht, zum 2. Mal ein "muss" versteht, dann lasse ich es so stehen. Wenn ich mit Personen ins Gespräch komme, die mich nicht kennen, beschleicht mich manchmal schon das Gefühl, dass mir wegen meiner undeutlichen Lautprache, meine geistigen Fähigkeiten angezweifelt werden. Nebst der körperlichen Kraftlosigkeit ist dies sicher auch ein Grund, warum sich Betroffene zurückziehen und sich dem Schicksal ergeben. Ich frage mich auch oft, warum ich mir den Frust der lautsprachlichen Kommunikation antue. Doch die Rebellin in mir ist noch immer stark. Solange noch ein Laut über meine kommt, lasse ich meiner Stimme freien Lauf. Dabei zähle ich auch auf die Mimik. Gestik und Haltung können mich in Gesprächen nur mehr geringfügig unterstützen. Zuhause fällt das Kommunizieren einfacher. Die Menschen, welche viel um mich herum sind und mich im Alltag unterstützen, können meine lautsprachlichen Sätze noch einigermassen entziffern. Ansonsten kommt mein augengesteuertes Kommunikationsgerät zum Einsatz. Die Benutzbarkeit dieses Gerät im Freien hängt von einigen Faktoren ab. Das Licht darf nicht zu hell sein und Sonneneinstrahlung mag die Augensteuerung gar nicht. Wenn ich das Kommunikationsgerät Draussen benutze, dann unter dem Sonnenschirm oder im Schatten. Deswegen ist das Gerät bei meinen Rolli-Ausfahrten auch nicht dabei. Ich will ja die Sonne geniessen und nicht den Schatten.
Ich bin sehr interessiert an neuen Technologien, die den Alltag von Menschen mit Behinderungen erleichtern. In den 20 Jahren meiner ALS Erkrankung kam ich u.a. mit diversen Hilfmittelanbietern in Kontakt und konnte mir ein kleines Netzwerk aufbauen. So darf ich auch schon mal Rollstühle testen, oder wie letzten Dienstag, zwei unterschiedliche Rollstuhlsteuerungen. Beide funktionieren mittels Augensteuerung. Bei einer Steuerung kann das Steuerungsmodul auch auf den Tobii oder z.B. auf Surface hochgeladen werden. Die zweite Rollstuhlsteuerung funktioniert über eine Brille und einer kleinen Kamera. Diese Steuerung liebt die Sonne wie ich. So ist es klar, sollte meine rechte Hand den Rollstuhl nicht mehr steuern können, werde ich mir eine solche Brille zulegen.
Diese Testungen sind mir wichtig. So kann ich herausfinden, welche Geräte für mich geeignet sind und kann auch andere Betroffene beratend unterstützen.