3. Schon gestern Abend, als ich von der Selbstvertreter*innen-Sitzung (SVURI) nach Hause kam, lag bereits der Duft von Schnee in der Luft. Und prompt, heute Morgen zeigen sich die Bergketten schneebedeckt. Die Sonne, wahrscheinlich selbst überrascht, lässt sich's aber nicht anmerken und verteidigt frohgelaunt ihren Platz am Himmelszelt. Mit einem Lachen vertreibt sie die restlichen Wolken und strahlt mit dem Weiss der Berge um die Wette. Einfach wunderschön, wie sich die Natur in den Jahreszeiten wandelt. 
Da sich auch mein Garten auf kühlere Temperaturen und Bodenfrost einstellen muss, werde ich den heutigen Sonnentag nutzen und den Pflanzen im Garten helfen, sich auf den Winter vorzubereiten. Die Futterhäuschen für die Vögel müssen ebenfalls kontrolliert und allenfalls von Piet repariert werden. Die Partnerin meines Sohnes hat bereits die beiden Igelhäuschen gesäubert und befüllt und die Wildbienen-Röhrchen zur Kontrolle eingeschickt. Nun werde ich mich, zusammen mit einer meiner Assistentinnen um die Planzen kümmern. Und natürlich werde ich gleichzeitig die warmen Strahlen der Herbstsonne geniessen.
Damit auch ich mich in den kühleren Monaten so lange wie möglich im Garten aufhalten kann, hat mein Mann in den Sommermonaten unser Gartenhäuschen auf Vordermann gebracht. Die Innen- und Aussenwände wurden neu ausgekleidet und mit neuer Farbe versehen. Durch das grosse Fenster bringt die Sonne viel Wärme in den Raum und ich habe freie Sicht auf den Garten. Neu gibt es nun auch eine Türe, welche die Sonnenwärme im Raum behalten soll. Ich habe so ein Glück, dass mein Mann so ein grosses Handwerkliches Geschick hat. Er überrascht mich immer wieder aufs Neue, mit welcher Liebe er sich dem Detail widmet. Ich hoffe, ich kann noch viele Tagebuchbeiträge in unserem wunderschönen Gartenhäuschen verfassen. 

9. So schön. Jetzt, am späten Nachmittag, lässt sich die Sonne doch noch blicken. Erstaunlich, nach dem regenreichen und wolkenverhangenen Tag. Interessant zu beobachten, wie sich die schweren, dunklen Regenwolken, immer mehr aus den Tälern zurückziehen und die Berge zum Vorschein kommen. Die Wolken wechseln vom düsteren Grau zu Weiss. Wobei einige auch einen Hauch von Gelb und Rot in sich tragen. Die Sonne hat die Wolkendecke aufgerissen und zum Vorschein kommt ein wunderschön blauer Himmel. Sofort wird es heller und freundlicher. Alles öffnet sich und wird leichter. 

12. Das schöne Wetter hat mich auch heute wieder in den Garten gelockt. Während mein Mann die restlichen Bäume und Sträucher zurückschnitt, ging ich im Garten auf Erkundungsfahrt. Ich finde immer etwas, was sich lohnt, betrachtet zu werden. Die Eidechsen sind auch immer noch unterwegs. Während sich einige Tiere langsam in den Winterschlaf begeben, verfallen Eidechsen in die sogenannte Winterstarre. Ihre Körpertemperatur steht in Abhängigkeit zur Aussentemperatur. Die meisten werden bei Frühlingstemperaturen wieder aktiv. Ist die Kälteperiode zu lang und die Temperaturen zu tief, erwachen einige nicht mehr aus der Starre. So ein Hinübergleiten wünscht sich wohl so mancher. Heute durfte ich noch ein „Käfer“, mit einer schönen Zeichnung auf dem Rücken, beobachten. Mittlerweile habe ich mich schlau gemacht. Es handelt sich bei Ihr / ihm um eine Amerikanische Kieferwanze. Die ausgewachsenen Wanzen überwintern an geschützten Stellen und gelangen bei ihrer Suche nach einem geeigneten Platz auch mal in Wohnungen. Die Kieferwanze beisst nicht und ihre „Stinkdrüsen“ verströmen einen angenehmen, apfelartigen Duft. Ich durfte heute auch ein Grille zirpen hören. Leider habe ich, trotz langem Suchen, das „Grillenloch“ im Rasen nicht gefunden. Dafür konnte ich von „meinem“ Gartenhäuschen aus beobachten, wie sich ein Eichelhäher mit einer unserer Baumnüsse im Schnabel, kurz in unserem Garten hinsetzte. Ein Vogel mit wunderschöner Gefiederzeichnung. Mit den auf zwei Seiten liegenden Fenster im Gartenhaus, habe ich Blick in den Garten, mit den noch immer reichlich blühenden Blumen und auf die Berge und den Himmel. Einfach schön.


16. Ich habe zurzeit kaum Zeit für mein Tagebuch und somit auch kaum Zeit für meine Leser. An schönen Tagen bin ich Draussen in der sich wandelnden Pflanzen- und Tierwelt. Die farbenbracht des Herbstes trägt so viel Wärme in sich, das will ich spüren dürfen. Daneben sitze ich viel am PC und erledige so einigen Schriftkram. Ich bereite mich momentan auch am PC auf einen Kurs vor, an dem ich im November teilnehme. An drei Nachmittagen werde ich mich am Fachkurs für Selbstvertreter, mit dem Thema UNO-Behindertenrechtskonvension befassen. Ich bin sehr gespannt auf die Teilnehmenden und den Austausch auf gleicher Höhe. Diesen Freitag stehe ich ausserdem für ein Interview zu einer Vertiefungsarbeit über Barrieren zur Verfügung. Da meine Lautsprache von Aussenstehende kaum verstanden wird, lasse ich mir jeweils die Fragen vorgängig zukommen. So kann ich mich schriftlich darauf vorbereiten. Für ein spontanes Antworten mittels Kommunikationsgerät, bin ich und mein Sprechcomputer einfach zu langsam. Ich habe schon bei einigen Vertiefungsarbeiten mitgewirkt. Es freut mich, dass sich junge Menschen mit "Sozialen Themen" auseinandersetzen. Unsere nachfolgenden Generationen, unsere Jungen, werden sich in Zukunft sehr stark mit solchen Themen auseinandersetzen müssen. Den Satz "und hinter mir die Sindflut" will ich nicht mittragen. Wenn ich in irgendeiner Form einen Beitrag für unser Zusammenleben leisten kann, dann mache ich dies gerne.
So, jetzt ist doch ein Tagebucheintrag zusammengekommen. 

21. So stelle ich mir ein Hexenhäuschen vor.
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Wenn ich etwas sehe das mir gefällt, will ich dies immer in Bild festhalten. Da ich nicht mehr selbst knipsen kann, müssen das meine Begleiter für mich machen. Das ist gar nicht so einfach. Ich habe eine genaue Vorstellung, wie ich das Objekt abgelichtet haben möchte. Als Rollstuhlfahrerin habe ich eine andere Perspektive zum Objekt als Fussgänger. Auch wenn wir alle das Gleiche betrachten, empfinden wir doch unterschiedlich. Wir sehen und fühlen unterschiedlich. Ich bin sehr froh, dass meine Begleiter auf meine Wünsche eingehen, auch wenn dies bedeutet, das Auto mitten auf der Strasse anzuhalten, um ein Foto zu knipsen. Mittlerweile machen meine Begleiter einfach mehrere Aufnahmen von einem Objekt. Zuhause sortiere ich dann das Geknipste aus und falls nötig, bearbeite ich sie am PC. Ich finde, meine Begleiter machen ihre Fotoarbeit sehr gut und es entstehen wunderschöne Bilder.